Archive for the ‘Empfehlungen’ Category

Privatkanon

Mittwoch, August 12th, 2009

Habe Thelen nun in den engsten Kreis meiner Lieblingsbücher aufgenommen, ich hoffe, er weiß das zu schätzen.

Im Rahmen meiner Bibliomanen Betrachtungen veröffentlichte ich vor längerer Zeit eine Liste mit meinen Lieblingsbüchern, die ich immer wieder lese, so in in den letzten zwei Jahren die “Strudlhofstiege”, die “Brüder Karamasow” und den “Staat”.

Bibel
Homer: Die Odyssee
Herodot: Historien
Aischylos: Orestie
Sophokles: König Ödipus; Antigone
Thukydides: Geschichte des peloponnesischen Kriegs
Platon: Der Staat
Aristoteles: Nikomachische Ethik
Ovid: Metamorphosen
Augustinus: Der Gottesstaat
Dante: Göttliche Komödie
Montaigne: Essais
Shakespeare: Tragödien
Cervantes: Don Quijote
Sterne: Tristram Shandy
Moritz: Anton Reiser
Schiller: Don Karlos; Wallenstein; philosophisch-ästhetische Schriften
Goethe: Briefwechsel mit Schiller
Goethe: Faust, Wahlverwandtschaften
Flaubert: Madame Bovary
Dostojewskij: Die Brüder Karamasow, Böse Geister
Joyce: Ulysses
Kafka: Erzählungen, Der Proceß
Thomas Mann: Buddenbrooks, Zauberberg, Josephs Romane, Dr. Faustus
Musil: Mann ohne Eigenschaften
Doderer: Strudlhofstiege
Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts
Johnson: Jahrestage
Bernhard: Auslöschung

Empfehlungen (10): Teaching Company - die besten Kurse

Freitag, Mai 1st, 2009

Die Teaching Company habe ich hier schon einmal im Allgemeinen empfohlen. An dieser Stelle will ich nun konkreter werden und einige der Kurse auflisten, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Ich habe die meisten als Audioversionen gehört, mit Ausnahmen wie Kunstgeschichte und ein paar anderen.

Vorab noch der Hinweis: Die Listenpreise erscheinen relativ hoch. Es geht aber jeder Kurs regelmäßig “On Sale” und wird dann für einen Bruchteil des Listenpreises angeboten.

Antike:

History of Ancient Egypt
Ancient Greek Civilization
Peloponnesian War
History of Ancient Rome
Emperors of Rome
Rome and the Barbarians

Geschichte:

Big History. The Big Bang, Life on Earth, and the Rise of Humanity
Foundations of Western Civilization I & II
Italian Renaissance
War, Peace, and Power: Diplomatic History of Europe, 1500–2000
History of the United States, 2nd Edition

Kunst:

A History of European Art
Great Artists of the Italian Renaissance

Literatur:

Masterpieces of Ancient Greek Literature
Dante’s Divine Comedy

Musik:

Bach and the High Baroque
Great Masters: All 10 Great Masters (Set)
How to Listen to and Understand Great Music
How to Listen to and Understand Opera
Operas of Mozart

Naturwissenschaften:

Einstein’s Relativity and the Quantum Revolution: Modern Physics for Non-Scientists, 2nd Edition
Nature of Earth: An Introduction to Geology
Origins of Life
Understanding the Human Body: An Introduction to Anatomy and Physiology

Philosophie:

Great Minds of the Western Intellectual Tradition, 3rd Edition
Plato, Socrates, and the Dialogues
Plato’s Republic
Machiavelli in Context

Religionswissenschaft:

Old Testament
Historical Jesus
The New Testament
Lost Christianities: Christian Scriptures and the Battles over Authentication

Empfehlungen (9): National Geographic

Samstag, März 14th, 2009

Keine sehr originelle Empfehlung, handelt es sich doch um eine der populärsten Zeitschriften der Welt. Ich hatte sie nun ein Jahr im Abonnement. Die Anfangshypothese war, so viel Mainstream könne nur enttäuschend sein. So war ich sehr erstaunt, dass es in fast jedem Heft Artikel gab, die mich stark interessierten. Speziell die archäologischen Beiträge sind ebenso intelligent wie unterhaltsam geschrieben. Die vielteilige Reihe über Bibel-Archäologie etwa räumte - auf Augenhöhe mit dem aktuellen Stand der Forschung - mit vielen Mythen auf. Auch an den Länderreportagen gibt es kaum etwas auszusetzen.

Durch die weltweite Verbreitung leistet National Geographic auch einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufklärung. Nicht nur in den USA ist das weiterhin dringend notwendig.

Empfehlungen (8): Dumont Kunstreiseführer

Sonntag, Dezember 14th, 2008

Viele Reiseführer kratzen nur an der Oberfläche und beschränken sich darauf, die Klischees zu perpetuieren, welche die Touristen ohnehin im Kopf haben, garniert mit vielen Shopping Tipps. Eine große Ausnahme in diesem Genre sind die Dumont Kunstreiseführer, von denen mich inzwischen eine zweistellige Zahl in diverse Ecken dieser Erde begleitet hat.
Geboten wird akademisches Niveau und meist auch eine gehörige Portion Skeptizismus, was das touristische Gebaren der Länder angeht. Geschrieben von ausgewiesenen Fachleuten beginnt jeder Band mit einem ausführlichen allgemeinen Teil, wo die (Kultur-)geschichte der Gegend im Mittelpunkt steht und ein Überblick über die relevanten Kunstepochen gegegeben wird. Aktuelle politische Verhältnisse kommen natürlich auch nicht zu kurz.

Ein herausragendes Beispiel ist Frank Rainer Schecks Band über Jordanien. Er referiert immer wieder den aktuellen Stand der Forschung und formuliert sogar provokante Thesen, was die Entwicklung der islamischen Kunstgeschichte angeht, in dem er auf die Rückständigkeit der frühen arabischen Kultur im Vergleich zu den damaligen Hochkulturen hinweist.
Jeder Band ist reichhaltig mit Plänen von Stätten und Bauwerken sowie mit hochwertigen Fotos ausgestattet. Zu Beginn erhält man einen Überblick mit Seitenzahlen bezüglich der herausragenden Sehenswürdigkeiten. Am Ende folgt ein Block mit praktischen Hinweisen. Dieser ist für Individualreisende sicher zu wenig umfangreich, so dass hier ein zweiter Reiseführer zu empfehlen ist, der den Schwerpunkt auf den Ratgeberteil legt.

Der größte Nachteil der Reihe sei nicht verschwiegen: Die Bände sind ziemlich schwer und für das Genre unhandlich geraten. Ich habe es aber bisher noch nie bereut, immer einen oder zwei Bücher davon im Handgepäck zu haben.

Empfehlungen (7): The Economist

Sonntag, Januar 27th, 2008

Seit ein paar Monaten lese ich nun den Economist und frage mich, warum ich diese exzellente Zeitschrift nicht schon früher entdeckte. Eine Antwort liegt im Titel begründet: Ich hielt sie lange für eine renommierte Wirtschaftszeitschrift. Das ist sie auch, der Fokus liegt aber auf einer exzellenten Auslandsberichterstattung im politischen Bereich. Die Qualität ist erstaunlich und lässt alle mir bekannten Nachrichtenmagazine weit (weit!) hinter sich.
Die internationale Ausrichtung ist angesichts der Provinzialität selbst vieler Weltblätter erfrischend. “Britain” ist eine gleichberechtige Rubrik neben anderen und genießt keinen speziellen Status. Klassisches britisches Understatement das ebenfalls in vielen Artikeln zu finden. Diese sind in einem erstklassigen, wortschatzreichen Englisch geschrieben, nicht selten mit englischen Humor angereichert, und exzellent recherchiert. So erinnere ich mich an eine Analyse über das Krankenversicherungssystem in China, wo nicht nur alle statistischen Fakten (kritisch hinterfragt) zusammengetragen wurden, sondern der Autor auch entlegene Dörfer und Provinzstädte besuchte, um die Umsetzung in der Praxis anzusehen. Besser kann man Journalismus nicht betreiben. Kein Artikel ist aber namentlich gezeichnet.
Angereichert ist der Economist in jeder Ausgabe mit Schwerpunkten, den sogenannten “Briefings”. Diese nehmen sich verschiedenste Themen (von Religionskriegen über einzelne Länder und Branchen bis hin zu Technologien) in einer Artikelreihe vor, die durchaus akademisches Niveau hat. Ich könnte jede Ausgabe fast komplett lesen. Nachdem meine Zeitungslektüre bisher vor allem durch internationale Interessen initiert war, habe ich im Moment kein Abo laufen, da der Economist völlig ausreicht, um einen über das Weltgeschehen anspruchsvoll auf dem Laufenden zu halten.
Ein Abo kostet 99 Euro und bietet damit mit ca. 2 Euro pro Ausgabe ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis.

Empfehlungen (6): The Teaching Company

Sonntag, Februar 25th, 2007

Diese Entdeckung zähle ich zu meinen wichtigsten der letzten Jahre, gibt sie mir doch die Möglichkeit “nebenbei” einer Menge interessanter Dinge anzuhören oder Bekanntes aufzufrischen. Wie extensiv ich das inzwischen machen, sieht man an meiner Lese- und Hörliste.

Die Teaching Company bietet als Geschäftsmodell Vorlesungen zum Kauf bzw. Laden an. Dazu werden didaktisch begabte amerikanische Professoren gebeten, über ihre Spezialgebiete zu sprechen. Viele dieser Kurse sind achtzehn Stunden und länger und erreichen damit die Länge einer “echten” Univeranstaltung.
Inzwischen gibt es Hunderte von Themen, über die man sich am besten auf der Webseite der TTC einen Überblick verschafft. Der Schwerpunkt liegt auf klassischem Bildungsgut, weshalb erfreulicherweise auch die Antike nicht zu kurz kommt. Man hat die Wahl zwischen Audio/MP3 und DVD Versionen. Meist reicht Audio aus, nur bei Themen wie Kunstgeschichte oder Anatomie sollte man naturgemäß nicht im Dunkeln tappen. Die regulären Preise sind sehr hoch, es wird aber jeder Kurs einmal pro Jahr zum “Sales Price” angeboten und dadurch signifikant billiger.

Im Gegensatz zu ihren deutschsprachigen Kollegen, sind angelsächsische Lehrende meist rhetorisch sehr begabt: Man hört ihnen gerne und mit Spannung zu. Ich höre diese Kurse meist nebenbei, auf dem Weg zur Arbeit, auf Reisen, bei diversen Routinetätigkeiten etwa, und komme so auf durchschnittlich eineinhalb Stunden pro Tag.

Zu einigen der Lehrenden baut man regelrecht eine intellektuelle Beziehung auf. Brillant und geistreich ist etwa alles, was Robert Greenberg über Klassische Musik zu sagen hat. Bart Ehrman leuchtet gedankenreich und kritisch die Zeit des Neuen Testaments aus. Bob Brier ist ein erstklassiger Referent über das Alte Ägypten. Robert Hazen hat mit “Joy of Science” eine beachtliche Einführung in naturwissenschaftliches Denken vorgelegt.

Bis auf wenige Ausnahmen (”Buddhism”) sind mir bisher keine Kurse untergekommen, die nicht hörenswert gewesen wären. Wie so oft ist es sehr schade, dass es nichts Vergleichbares auf Deutsch gibt.

Empfehlungen (5): Committee for Skeptical Inquiry und Skeptical Inquirer

Sonntag, Februar 4th, 2007

Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, kann sich der Tatsache nicht verschließen, dass der Aberglaube (weniger freundlich formuliert: die Dummheit) in allen seinen Formen immer noch fröhliche Urstände feiert. Erfreulicherweise findet das in Europa mehr im Privaten und nur noch selten im Staatlichen seinen Niederschlag. Das fängt bei der Esoterik in allen ihren Manifestionen an. Wundersteine verkaufende Esoterikläden, Regale mit Büchern über nicht-existierende Energiefelder oder Seminare zu den neuesten Psychomoden… Weiter geht es mit der sogenannten “Alternativmedizin”, die im besten Fall mit Placebos nicht schadet und im schlimmsten Fall Menschen mit schweren Krankheiten mangels adäquater Therapie ums Leben bringt, nach Bezahlung der saftigen Rechnungen, versteht sich.

Nimmt man doch die vergleichsweise harmlosen Hobbys wie “Ufologie”, “Wahrsagerei” oder “Astrologie” hinzu, sollte man eine ausreichende Vorstellung von diesen die menschliche Intelligenz beleidigenden Aktivitäten haben.
Meine Hochachtung galt immer schon jenen, die sich dieses Unsinns wissenschaftlich annehmen, um ihn zu widerlegen. Wer weiß, wie schnell eine dumme Behauptung aufgestellt ist, und wie langwierig es sein kann, diese nach den Regeln der Wissenschaft zu widerlegen, dem wird schnell der Mythos des Sisyphos in den Sinn kommen.
Paul Kurtz gründete 1976 das “Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal” in den USA. Dessen Ziel war es unter anderen, der unkritischen Wiedergabe von “paranormalen” Behauptungen in den Medien, eine kritische Perspektive gegenüber zu setzen. In den nachfolgenden Jahren konnten eine Reihe dieser populären Mythen widerlegt und/oder durch wissenschaftliche Erklärungen ersetzt werden. Mehr zur Geschichte des CSICOP findet sich im Wikipedia-Artikel (zumindest in der Fassung vom 4.2. 07 um 15:24 Uhr :-) Kürzlich benannte sich die Organisation in “Comittee for Skeptical Inquiry” (CSI) um. Es gibt auch eine deutsche Schwestergesellschaft, die “Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften”.

CSI gibt nun eine zweimonatlich erscheinende Zeitschrift heraus, die ich speziell empfehlen will: Den “Skeptical Inquirer” mit dem sprechenden Untertitel “The Magazine of Science and Reason”. Geboten werden neben kurzen Artikeln über die jüngsten Absurditäten der Esoterikzunft auch viele zu wissenschaftlichen Themen allgemein sowie zu wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Fragestellungen. Erfrischend ist, dass regelmäßig auch die eigene Weltanschauung skeptisch hinterfragt wird, etwa wenn vor den eingefahrenen Bahnen des Wissenschaftsbetriebs zuungunsten neuer Theorien gewarnt wird, oder Autoren darauf hinweisen, dass Poppers “Conjectures” einen ebenso wichtigen Stellenwert in dessen Erkenntnistheorie besitzen als die viel berühmteren “Refutations” (Falsifizierungen), um einen seiner Buchtitel zu zitieren.
Der Skeptical Inquirer kann für wohlfeile 23 Euro (inklusive Porto nach Europa) abonniert werden.

Bibliothekstipp: “Brüder Karamasow” und Kunstbücher

Sonntag, August 27th, 2006

Letzte Woche erschienen die “Brüder Karamasow” in der Übersetzung Swetlana Geiers endlich als erschwingliches Taschenbuch (Amazon Partnerlink).

Der Kunstbuch Versand bietet einige prinzipiell schon günstigen Könemann Epochenbände noch einmal ermäßigt für 19,95 Euro an: Kunst der Romanik, Kunst der Gotik, Kunst der Italienischen Renaissance, Kunst des Barock, Klassizismus & Romantik.

Empfehlungen (4): The New York Review of Books

Sonntag, August 13th, 2006

Gäbe es eine platonische Idee für “Zeitschrift”, käme die NYRB diesem Ideal wohl ziemlich nahe. Seit etwa 10 Jahren versäume ich keine Ausgabe, und diese Lektüre hat sich inzwischen zu einer unverzichtbaren intellektuellen Grundversorgung entwickelt.

Die zwanzig Ausgaben pro Jahr ergeben einen ausgezeichneten Überblick zu sehr vielen Fachgebieten. Die Artikel sind von bewährten Fachleuten verfasst und überschreiten das Genre der Rezension in mehrerer Hinsicht: Es werden nicht nur neue Bücher vorgestellt, sondern meist auch ein Überblick über den aktuellen Diskussionsstand eines Fachgebiets gegeben. Das setzt natürlich eine entsprechende Textlänge voraus. Die NYRB ist das Gegenmittel zur weit verbreiteten Häppchenpublizistik. Darüberhinaus wird man mit der fundierten Meinung des Verfassers zu einem Thema konfrontiert. Man “erspart” sich dadurch oft die Lektüre vieler Bücher, und wer hat schon Zeit regelmäßig Neuerscheinungen über die Renaissance, die Klimaforschung, Sklaverei in den USA, Biographien über viele Klassiker, den Irakkrieg oder Musikgeschichte zu lesen? Als zusätzlichen Service bekommt man eine Menge Verlagsanzeigen über neue Bücher ins Haus, inserieren in der NYRB doch nicht nur alle führenden “University Presses”.

Analytische und investigative Artikel zu politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten runden die NYRB ab. Die Blattlinie ist in jeder Hinsicht der Aufklärung verpflichtet und läßt sich wohl am besten mit linksliberal beschreiben. Postmoderne Dampfplauderein sucht man auf den Seiten der NYRB (anders als z.B. in der “London Review of Books”) vergeblich. Das passte auch schlecht zur klassischen Gelehrsamkeit der meisten Texte. Die sonst übliche Kluft zwischen Geistes- und Naturwissenschaften kann man ebenfalls nicht konstatieren.

Die NYRB hat eine Reihe von Stammautoren (20-30), die sich regelmäßig zu Wort melden. Diese schreiben nicht nur vorzügliche Artikel, sondern veröffentlichen auch regelmäßig Bücher. Man rutscht auf diese Weise lesend in eine Gemeinschaft vorzüglicher Sach- und Fachbuchautoren hinein, ein angenehmer Nebeneffekt.

Viele Jahre wurde die NYRB von Mäzenen aus New York am Leben erhalten. Seit längerer Zeit trägt sich das Projekt selbst (Auflage jenseits der 100.000 weltweit). Die besten europäischen Zeitschriften (”Lettre”, “Merkur”…) bringen regelmäßig übersetzte NYRB-Artikel. Warum nicht gleich das Original lesen? Abonnements gibt es hier

[Hier ein weiterer kurzer Text über die NYRB, zuerst publiziert auf koellerer.de]

Entdeckt habe ich die NYRB erst ziemlich spät, 1996 um genau zu sein. Meiner Meinung nach handelt es sich weltweit um die beste Zeitschrift zu intellektuellen Themen, im deutschsprachigen Raum gibt es leider nichts vergleichbares. Ansatzweise die eine oder andere Buch-Zeitschrift. Aber halb- oder vierteljährliche Erscheinungstermine, können mit den 20 NYRB-Ausgaben nicht konkurrieren.

Dabei ist das Rezept denkbar einfach: Man nehme die besten Fachleute zu einem Thema, gebe ihnen viel Platz, und mache keinerlei Kompromisse bezüglich der Qualität. Die meisten Artikel beschäftigen sich mit einem oder mehreren Büchern. Diese sind aber meist nur der Ausgangspunkt für eine intensive und kompetente Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Fachgebiet. Nach der Lektüre weiß man nicht nur vieles über die Neuerscheinung, sondern ist allgemein über die aktuelle Forschung darüber orientiert.

Die Themenführerschaft der NYRB erschließt sich regelmäßigen Lesern dadurch, dass nicht selten längere Zeit nach Erscheinen, bestimmte Themen in den deutschsprachigen Feuilletons auftauchen, oft auch mit expliziter Bezugnahme.

Das Themenspektrum ist weit, Naturwissenschaftler kommen ebenso zu Wort wie politische Publizisten. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf diversen (hoch)kulturellen Themen.

Empfehlungen (3): Die Philosophiegeschichte des Frederick Copleston

Samstag, August 5th, 2006

Gute Philosophiegeschichten gibt es nur wenige auf dem Buchmarkt. Eine der mit Abstand besten schrieb Mitte des letzten Jahrhunderts der gelehrte Jesuit Frederick Copleston. Das elf Bände umfassende Werk nötigt Respekt vor dieser gewaltigen Arbeitsleistung ab. Der Forschungsstand ist natürlich inzwischen veraltet. Da sich die aktuellen Debatten aber meist um ähnliche Fragestellungen kreisen, trotzdem interessant. Die Darstellungen der einzelnen Philosophen lesen sich ausgesprochen frisch.
Zwei Aspekte sind besonders hervorzuheben: Seine in bester angelsächsische Manier sehr verständliche Darstellungsweise, die trotzdem komplexe Sachverhalte nicht simplifiziert. Die Ausführlichkeit seiner Darlegung ist weiters hervorzuheben. Die meisten Philosophiegeschichten bestehen aus einem bis drei Bänden, eine lächerliche Anzahl angesichts des gewaltigen Stoffes. Wer also seine Bibliothek philosophisch aufrüsten will, dem sei Coplestons Lebenswerk sehr ans Hirn gelegt. Nebenbei bemerkt ein Beleg, dass man sogar als Jesuit seine Zeit nützlich verbringen kann. Die einzelnen Bände sind:

Empfehlungen (2): Encyclopaedia Britannica

Sonntag, Juli 16th, 2006

Wer am Aufbau einer umfassenden Privatbibliothek interessiert ist, legt mit der Britannica einen soliden Grundstein. Ich verwende die “EB” seit fast 10 Jahren regelmäßig. Sie hat sich zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel entwickelt. Während deutschsprachige Lexika wie der Brockhaus sich “nur” zum schnellen Nachschlagen eignen, handelt es sich bei der Britannica um eine echte Enzyklopädie. Dem Brockhaus entspricht die Micropeadia: Zwölf Bände mit vielen Stichworten. Intellektuell spannender jedoch ist die Macropaedia, welche in teilweise sehr umfangreichen Artikeln (Buchlänge!) das wichtigste Wissen der Welt präsentiert. Dieser Teil ersetzt eine Fülle von Standardwerken aller Fächer und damit eine kleine Bibliothek. Das Wissen wird meist nicht nur präsentiert, sondern auch auf einer Metaebene diskutiert. Wenn es divergierende Theorien gibt, wird das klar gesagt. Der Leser wird als erkenntnistheoretisch mündiges Subjekt verstanden.

Der Schwerpunkt des Gebotenen liegt auf gut etabliertem Grundlagenwissen. Das hat den Vorteil, dass eine Britannica nicht so schnell veraltet. Für brandaktuelle Informationen gibt es ohnehin eine Fülle anderer Quellen.
Dreh- und Angelpunkt dieses Unternehmens ist ein Band mit dem Titel Propaedia, welcher systematisch das Wissen einteilt und die Britannica inhaltlich erschließt. Die Nützlichkeit dieses Bandes läßt sich am besten durch ein Beispiel zeigen. Angenommen, man interessiert sich für japanische Autoren. Wie soll man im Brockhaus nun die Artikel zu allen japanischen Autoren finden, wenn man deren Namen nicht kennt? In der Propaedia findet man am entsprechenden Ort eine Liste mit allen enthalten Artikeln über ein Thema und kann sich systematisch durch die Enzyklopädie lesen.
Schließlich gibt es noch zwei Indexbände zum Auffinden von sehr granularem Wissen. Damit ist die Britannica ohne Zweifel das durchdachteste und best zu benutzende Lexikon auf dem Markt.
Wohlgemerkt rede ich von der Printversion. Die DVD ist hier kein Ersatz, denn erstens geht der Überblick über große Wissensmassen schnell verloren, den die Bände so überzeugend gewährleisten. Zweitens sind die enzyklopädischen Artikel so lang wie kurze Bücher, die man erfahrungsgemäß nicht am Monitor liest.

Der Stil der Teste ist vorzüglich. Als Leser wird man nicht durch drögen Brockhauston gequält. Die Artikel der Macropaedia sind engagiert auf sprachlich hohem Niveau verfasst (was nicht heißt: ungebührlich “schwieriges” Englisch).
Abschließend noch ein Wort zu dem vielzitierten Wikipaedia-Britannica Vergleich, der angeblich einen “Gleichstand” gezeigt hat. Angesichts der oben beschriebenen Anlage der Britannica sollte es klar sein, dass der Vergleich einer Handvoll Stichwörter methodisch völlig inadäquat ist. Mehr.

Empfehlungen (1): Neue Zürcher Zeitung

Sonntag, Juli 2nd, 2006

Mit dieser Notiz beginne ich eine kleine Reihe mit Hinweisen auf intellektuell hochwertige “Entitäten”, die hoffentlich eine kleine Schneise in die Fülle von Durchschnittserzeugnissen schlagen können.
Die NZZ verdient meines Erachtens das Prädikat “beste deutschsprachige Zeitung”. Die internationale Ausgabe begleitet(e) mich nun eine Reihe von Jahren. Im Vergleich zur FAZ und SZ ist sie weniger umfangreich, was für jemanden mit einem beschränkten Zeitbudget aber vorteilhaft ist.
Ihren Ruf verdankt diese Zeitung vor allem der internationalen Berichterstattung und dem Feuilleton. Sie leistet sich ein großes Netz an Auslandskorrespondenten, die nicht nur kompetent über ihre Länder berichten, sondern auch einen sehr angenehmen Stil pflegen. Ein Grund, warum ich diese Korrespondentenberichte so gerne lese, verstößt eigentlich gegen einen eisernen Grundsatz des Qualitätsjournalismus: Es ist die subjektive Perspektive. Anstatt in trockener Nachrichtenagenturprosa zu schwelgen, sind die Texte pointiert geschrieben. Die eigene Persönlichkeit und Meinung des Korrespondenten ist in jedem Artikel präsent. Ironische und manchmal sogar leicht zynische Sätze sind keine Seltenheit. Kombiniert ist diese Schreibe mit einer meist sehr skeptischen Perspektive. Ein Beispiel: Der Europaparlament-Report über die geheimen CIA Flüge und Gefängnisse. Während in fast allen Zeitungen (berechtigte) Empörung herrschte, wies der Pariser NZZ Korrespondent auf die extrem dünne Faktenlage des Reports hin. Erwähnt sei noch, dass regelmäßig auch über diejenigen Weltgegenden berichtet wird, die nicht immer im Mittelpunkt des Medieninteresses stehen (z.B. Zentralafrika).

Das Feuilleton ist sehr solide, wenn auch weniger umfangreich als noch vor ein paar Jahren. Herausragend sind hier die Vielzahl der Rezensionen auch entlegenere Bücher und die Wochenendbeilage “Literatur und Kunst”. Die Themenschwerpunkte werden auf einem für eine Zeitung ungewöhnlich hohen Niveau behandelt, hier liegen selbst FAZ und SZ weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Die Berichterstattung über (Natur)wissenschaft und Medien ist ebenfalls erfreulich. Wer mag, kann sich mit einem kostenlosen Probe-Abonnement selbst eine Meinung bilden.

Ulrich Langer (Editor): The Cambridge Companion to Montaigne

Samstag, Juni 24th, 2006

Cambridge University Press (Amazon Partnerlink)

Bisher enttäuschte mich kein Band dieser Reihe und der über Montaigne ist keine Ausnahme. Enthalten sind zehn Aufsätze von Montaigne-Forschern, die sich mit zentralen Aspekten vor allem der “Essais” auseinandersetzen. Genannt seien das Verhältnis zur Antike, zur Entdeckung der neuen Welt, zum Skeptiszismus und zur Natur. Einige der Texte gehen für eine Einführung etwas zu sehr ins Detail.

Man bekommt in Summe aber einen guten ersten Einblick in das akademische Geschehen rund um Montaigne. Als Begleitlektüre zu den “Essais” empfehlenswert.

Münchner Goethe-Ausgabe als Taschenbuch

Mittwoch, Juni 14th, 2006

Laut Perlentaucher bringt btb im Herbst die (meiner Meinung nach) beste Goethe-Ausgabe als Taschenbuch (Preis: 399 Euro). Die Werke sind chronologisch angeordnet und der Kommentar ist ausgezeichnet. Ich verwende diese Ausgabe schon lange als Leseausgabe.

Bibliothekstipp: Enzyklopädie der Säugetiere

Freitag, Mai 26th, 2006

Könemann (Amazon Partnerlink)

In jeder Bibliothek dürfen Nachschlagewerke aller Art nicht fehlen. Für erstaunliche 10 Euro bekommt man hier einen drei Kilo schweren, gebundenen und großformatig Band über unsere Klassen-Genossen.

Manfred Mittermayer: Thomas Bernhard

Sonntag, Mai 7th, 2006

Suhrkamp BasisBiographie (Amazon Partnerlink)

Bisher las ich noch keinen Band dieser Reihe, aber es wird schnell klar, dass sich Suhrkamp hier stark von den rororo monographien inspirieren ließ. Es ist allerdings kein Nachteil, mehrere prägnante Monographien über einen Autor zur Verfügung zu haben. Der rororo Band von Hans Höller sei als gute Alternative erwähnt.

Manfred Mittermayer schrieb ein sehr solides kleines Buch. Jargonfrei und kompetent führt der Salzburger Germanist durch Leben und Werk, dem jeweils eigene Abschnitte im Buch gewidmet sind. Durch die chronologische Gliederung können sich auch Bernhard Neulinge schnell einen Überblick über dessen Oeuvre verschaffen. Mittermayer ist Mitherausgeber der neuen Werkausgabe und mit dem Nachlass gut vertraut. Eine klare Empfehlung.

Lob des Hörbuchs

Freitag, März 31st, 2006

Vor mehr als einem Jahr fing ich an, mich regelmäßig Hörbüchern zuzuwenden. Als Abspielgerät verwende ich mein Mobiltelefon mit integriertem MP3 Player (512 MB), d.h. ich höre vor allem unterwegs und in anderen “Leerlaufzeiten”. Im Sommer letzten Jahres entdeckte ich dann die hier schon mehrmals gepriesene Teaching Company, die im großen Stil vorzüglich gemachte Vorlesungen auch als “Hörbucher” anbietet. Themen sind überwiegend im klassischen Bildungskanon angesiedelt, aber es gibt auch Natur- und Wirtschaftswissenschaftliches. Die einzelnen Vorlesungen sind zwischen sechs und zweiundvierzig Stunden lang und in einzelne “Lectures” von dreißig oder fünfundvierzig Minuten aufgeteilt.

Im Moment höre ich beispielsweise die zweiundvierzig Stunden lange, von mehreren Professoren gehaltene VL über die History of the United States, wo ich bisher rund um das 19. Jahrhundert einiges Neue erfahren konnte.

Mein Alltag wurde dadurch gewissermaßen revolutioniert. Meine Geduld ist inzwischen grenzenlos. Es spielt keine Rolle, ob der Bus gerade vor der Nase wegfährt, die Schlange an der Kasse bis zum Kühlregal reicht oder das Wartezimmer besonders voll ist: Es läßt mich kalt. Ich nutze die Gelegenheit, um eine Viertelstunde länger eine Lecture über Plato, biblische Textkritik oder jüdische Geistesgeschichte zu hören. Hörzeit pro Tag sind durch Arbeitsweg und andere unverzichtbare Tätigkeit mindestens neunzig Minuten pro Tag (abgerundet also 500h pro Jahr). Da sage noch jemand, neue Technologie ließen sich nicht sinnvoll nutzen.

Geschichte des Zweifels

Mittwoch, September 14th, 2005

Gestern entdeckte ich die Existenz des folgendes Buches, das mir naturgemäß sehr interessant erscheint: Jennifer Michael Hecht, Doubt: A History. Auf knapp 600 Seiten versucht Hecht die geistesgeschichtliche Bedeutung des intellektuellen Zweifels zu eruieren. Wird gekauft.

Bill Bryson: A Short History of Nearly Everything

Mittwoch, Juli 27th, 2005

15 CDs, Hörbuch bzw. Random House (Amazon Partnerlink)

Bei dem Hörbuch handelt es sich um eine vollständige Lesung der ca. 600 Seiten des Buches: knapp 20 Stunden kann man sich in schönem britischen Englisch vorlesen lassen. Vom präpotenten (ironischen) Titel sollte man sich nicht abschrecken lassen. Bryson hat ein im besten Sinn populäres Sachbuch über die Welt der Naturwissenschaften geschrieben, das gleichzeitig einen hohen Unterhaltungswert hat. Den Leser erwartet ein unglaublich breites Themenspektrum, weshalb man am Ende des Textes tatsächlich den Eindruck hat, der Titel sei nicht so falsch: Kosmologie, Astronomie, Chemie, Physik, Geologie, Paläontologie, Biologie werden behandelt, meist samit einer Reihe von “Nebenfächern” dieser Hauptdisziplinen.

Dabei bevorzugt Bryson einen historischen Ansatz. Man erfährt etwa ziemlich genau, wie sich die Geologie und deren Theorien entwickelt haben oder wie der steinige Weg zur Abschätzung des Alters der Erde verlaufen ist, um nur zwei Beispiele aus Dutzenden zu nennen. Ich sehe zwei Zielgruppen als Leser: Zum einen Menschen mit wenig naturwissenschaftlichen Wissen, denen Bryson die Möglichkeit bietet, sich einführend mit den wichtigsten Themen und Theorien vertraut zu machen. In diesem Fall ist das Buch aufklärend im besten Sinn des Wortes. Zum anderen Menschen mit bereits ausgeprägten Kenntnissen, denen die Möglichkeit einer engagierten Wiederholung nebst vielen neuen Details (vor allem wissenschaftshistorischer Natur) geboten wird.

Was mich beim Anhören am meisten erstaunte: Brysons populärer Zugriff geht kaum auf Kosten der intellektuellen Qualität. Er schafft es im Gegenteil oft die richtigen skeptischen Fragen zu stellen. So wenn er ausführlich vor Augen führt, dass das sehr weit verbreitete Modell eines Atoms (Kern mit umkreisenden Elektronen) komplett falsch ist und trotzdem ständig überall abgedruckt wird (in Schulbüchern etwa). Ab und zu gleitet Bryson zu sehr ins Anekdotische ab, das sieht man ihm aber gerne nach.

Wer nicht mit akademischem Interesse im engeren Sinn an das Buch herangeht, wird viel Freude mit diesem erstaunlichen Sachbuch haben.

Neues von der Britannica

Samstag, Juli 23rd, 2005

Ein Artikel des “Boston Globe” berichtet über Neuigkeiten rund um die unverzichtbare Encyclopaedia Britannica.