Archive for the ‘Kunst’ Category

Sandro Botticelli

Sonntag, Februar 14th, 2010

Städel Museum Frankfurt 13.2.

Beim Durchblättern diverser Kunstbände zur Renaissance-Malerei fand ich Botticellis Bilder lange nicht übermäßig ansprechend. Die Farben wirkten blass im Vergleich zu Kollegen. Dann sah ich in der National Gallery in London zum ersten Mal Botticelli im Original, fand das hinreißend und stellte fest, dass sich seine subtile Malkunst einfach schlecht für Reproduktionen eignet.

Als ich im Herbst von der Botticelli-Ausstellung im Frankfurter Städel las, war der Entschluss für eine Frankfurt-Reise schnell gefasst. Gestern war es schließlich so weit. Ein Notizen-Leser war so freundlich und organisierte mir vorher Eintrittskarten, so dass wir die beeindruckend lange Schlange (270.000 Besucher bisher) umgehen und direkt in die Ausstellung gelangen konnten.

Erwartungsgemäß war sie sehr überlaufen.  Es ergab sich aber trotzdem die Möglichkeit, auf die meisten Bilder einen ruhigen Blick zu werfen. Das Städel hat eine überraschend große Menge an Gemälden zusammengetragen. Viele allerdings aus entlegenen Quellen (Privatbesitz; Provinzmuseen aus den USA…). So sieht man viele seiner Werke, die einem auf absehbare Zeit sicher nicht mehr begegnen werden. Die berühmten Ikonen Botticellis waren vom Städel natürrlich nicht zu bekommen.

Um die Ausstellungsräume zu füllen, waren auch viele Produktionen aus seinem Umfeld bzw. seiner Werkstatt ausgestellt. Trotzdem gibt die in thematisch Räume strukturierte Ausstellung einen guten Überblick über Botticellis Ästhetik und seine stilistische Entwicklung. Ich werde im Mai die Uffizien besuchen und damit die in Frankfurt fehlenden Hauptwerke nachholen können.

Vermeer. Die Malkunst

Dienstag, Februar 9th, 2010

Kunsthistorisches Museum 7.2.

Es handelt sich um eine sehr kleine Ausstellung, die dem wohl berühmtesten Bild der Sammlung gewidmet ist. Während man sonst Vermeers Meisterwerk fast alleine und in Ruhe bewundern kann, drängen sich jetzt plötzlich Trauben von Menschen davor. Schautafeln erläutern diverse Aspekte des Gemäldes, das in den letzten Jahren diverse naturwissenschaftliche Untersuchungen über sich mußte ergehen lassen. Auch auf die Provenienz- und Restaurationsgeschichte wird Augenmerk gelegt.

Es ist erfreulich, dass es Kontextinformationen zu einem so wichtigen Bild gibt. In Summe ist das Gebotene aber doch zu dürftig. Offenbar wollte man in keine passenden Leihgaben investieren.

Michelangelo

Mittwoch, Januar 27th, 2010

Lebensberichte, Briefe, Gespräche, Gedichte (Manesse)

Für eine wirklich intensive Beschäftigung mit der Kunstgeschichte fehlt mir leider die Zeit. Zwar besuchte ich inzwischen die wichtigsten Museen der Welt, aber man bräuchte für dieses weite Feld ähnlich viel Muße wie für die Beschäftigung mit der Weltliteratur.

So greife ich mir als Notbehelf gerne zentrale Figuren der Kunstgeschichte heraus, um mich mit ihnen etwas ausführlicher zu beschäftigten. Pars-pro-toto-Ansatz als Notwehr gewissermaßen. Neben Rembrandt ist Michelangelo einer der Auserwählten.

Dieser bei Manesse erschienene Band eignet sich ausgezeichnet dazu, sich einen Eindruck von der Persönlichkeit Michelangelos zu machen. Neben Auszügen aus den beiden wichtigsten zeitgenössischen Quellen (Condivi und Vasari) enthält er eine umfangreiche Briefauswahl. Sie zeigen Michelangelo von verschiedenen Seiten. Im Umgang mit seiner Familie, in Verhandlungen mit seinen Auftraggebern etc. Die Spannbreite seiner Verhaltensweisen ist enorm. Er kann hart und zornig werden, wenn es um seine Kunst geht. Er kann aber auch so überraschend bescheiden sein, dass es aus heutiger Sicht wie bestürzende Selbstunterschätzung wirkt.

Es sind auch Auszüge aus Francisco de Hollandas Gesprächen über die Malerei abgedruckt. In ihnen äußert sich Michelangelo auch zu ästhetischen Fragen, etwa über die niederländische Malerei:

Die Niederländer malen recht eigentlich, um das äußere Auge zu bestechen, entweder durch Dinge, die gefallen, oder durch solche, von denen man nichts Schlechtes sagen kann, wie Heilige oder Propheten. Oder sie malen Gewänder, Maßwerk, grüne Felder, schattige Bäume, Flüsse und Brücken und was sie ‘Landschaften’ nennen, und viele Figuren da und dort, und wiewohl dies alles gewissen Augen wohlgefällt, so fehlt darin in Wahrheit doch die echte Kunst, das rechte Maß und das rechte Verhältnis, die Auswahl und die klare Verteilung im Raum, und schließlich sogar Inhalt und Kraft. Doch malt man in anderen Gegenden vielleicht schlechter als in den Niederlanden. [S. 306f.]

Balkanology

Sonntag, Januar 10th, 2010

Architekturzentrum 5.1.

Wie sehr sich Österreich in Südosteuropa wirtschaftlich engagiert ist bekannt. Es ist sehr begrüßenswert, dass diese ökonomische Expansion auch durch intellektuelle Neugier begleitet wird. Ein Beispiel dafür ist die Ausstellung Balkanology im Wiener Architekturzentrum. Sie setzt sich mit den urbanen Prozessen auf dem Balkan der jüngsten Vergangenheit auseinander. Dokumentiert durch Fachleute vor Ort werden diverse Thesen über die Stadtentwicklung in einer Krisenregion durchgespielt.

Die Schau ist eine sehr akademische Angelegenheit. Auf Schautafeln, Monitoren und in Filmen wird anhand ausgewählter Städte gezeigt, wie sich einzelne Viertel entwickelten. Begleitet ist das von theoretischen Modellen. Wer Architekturfotografie erwartet, wäre fehl am Platz. Ich fand vor allem spannend, dass es angesichts der vielen Alltagsprobleme nach dem Krieg überhaupt Architekturinitiativen gab (gibt), die diese Prozesse so detailliert beobachteten und analysierten. (Bis 18.1.)

Leon Battista Alberti

Mittwoch, Januar 6th, 2010

Die sehr lesenswerte Biographie über den Renaissance-Architekten, geschrieben von Anthony Grafton, gibt es bei Amazon gebunden jetzt für nur 11 Euro. Ich las das Buch 2002.

Edvard Munch und das Unheimliche

Montag, Januar 4th, 2010

Leopold Museum 3.1.

Munch schrieb vor allem aus zwei Gründen Kunstgeschichte: Zum einen war er ein prägender Einfluss auf den deutschen Expressionismus. Seine Ausstellung 1892 im Verein Berliner Künstler löste einen großen Skandal aus und seitdem blieb er im Bewusstsein der deutschen Kunstszene präsent. Zum anderen schuf er ästhethische Maßstäbe setzende Ikonen des modernen Bewusstseins von denen Der Schrei das berühmteste ist - im Leopold Museum mit einem Druck vertreten. Munchs Besessenheit mit Krankheit und Tod dürfte mit seiner Kindheit zusammenhängen, die voller tragischer Ereignisse war.

Die Ausstellung konzentriert sich auf das “unheimliche” Frühwerk und zeigt eine Auswahl davon in zwei Räumen. Darunter sein Portrait August Strindbergs und sein berühmtes Selbstbildnis in der Hölle. Den weitaus größten Teil der Schau macht allerdings die Erkundung des Unheimlichen bei zeitgenössischen Malern aus, deren Werke man in Themenräumen präsentiert. Bei nicht wenigen Bildern scheint aber das Thema (etwa Spiritismus) wichtiger gewesen zu sein als die ästhetische Qualität. Überhaupt wäre bei dieser Exploration des Aberglaubens in der Kunst eine kritischere kuratorische Begleitung angebracht gewesen. (Bis 18.1.)

Karl der Kühne

Freitag, Dezember 4th, 2009

Kunsthistorisches Museum 29.11.

Dem ambitionierten Herzog von Burgund ist diese gelungene Ausstellung gewidmet. Durch die enge Verbindung mit den Habsburgern waren eine Reihe von passenden Kunstwerken bereits in Wien vorhanden. Ergänzt werden sie durch die “Burgunderbeute”, die quasi erstmals ausserhalb der Schweiz zu sehen ist.

Karl der Kühne ist nicht nur durch seine Rolle beim Aufstieg der Habsburger interessant. Er gründete z.B. seine Herrschaftsmythologie ungewöhnlicherweise auf antike Stoffe. Die Ausstellung ist abwechslungsreich gestaltet und setzt multimediale Inhalte zur Erläuterung nicht nur der komplexen dynastischen Zusammenhänge ein. Die Exponate sind plausibel ausgewählt und an dieser Stelle seien besonders die vielen alten Bücher erwähnt. Die Buchmalerei alleine lohnte den Besuch. (Bis 10.1.)

Karl der Kühne im Kunsthistorischen Museum

Freitag, November 27th, 2009

Die NZZ hat einen sehr informativen Artikel über die aktuelle Ausstellung im KHM veröffentlicht.

Italiens Kulturerbe verfällt

Sonntag, August 23rd, 2009

Die italienische Kulturverwaltung hat viel zu wenig Budget, um die vielen Kunstdenkmäler des Landes fachgerecht zu erhalten. Die Regierung Berlusconi hat natürlich nichts Besseres zu tun, als diese lächerlichen Budgets noch einmal zusammenzukürzen. Das gesparte Geld steckt der Ministerpräsident dann vermutlich in die Dienstleistungen weiterer Prostituierter in seiner Villa …

Die NZZ fasst die desaströse Lage in dem Artikel Pompeji geht zum zweiten Mal unter zusammen. Auszüge:

Gemäss italienischen Zeitungsberichten konnten Professoren in diesem Frühjahr einen Hausmeister stoppen, der dabei war, ein Kunstwerk in Einzelteile zu zersägen. Mit dem Verkauf von einem neoklassizistischen Kopf, Händen und Füssen aus Gips wollte er sein mageres Salär aufbessern. Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall. Im ganzen Land verwahrlosen einzigartige Schätze, und täglich wird Kunst geraubt, weil kein Geld für geschultes Wachpersonal vorhanden ist.

[…]

Mit 1,5 Milliarden Euro gibt sie in diesem Jahr nur 0,22 Prozent des Gesamthaushalts für den Kulturbetrieb des Landes aus. Frankreich investiert für weit weniger Kulturschätze doppelt so viel Geld. Nun will Berlusconi bei den Kulturausgaben noch mehr knausern als bisher. 1 Milliarde Euro muss Kulturminister Sandro Bondi bis 2011 einsparen.

[…]

Die antike Stadt am Fuss des Vesuvs, die im Jahr 79 bei einem Vulkanausbruch verschüttet wurde, droht nämlich ein zweites Mal unterzugehen: Touristenansturm, Umweltverschmutzung, mangelnde Aufsicht und Schlamperei setzen dem Weltkulturerbe schwer zu. Die Kanalisation funktioniert nicht, daher stehen bei Regen Villen und Gassen in Pompeji unter Wasser. Auch Besucher sind nicht immer achtsam. Viele können es einfach nicht lassen, Mosaiksteinchen zu stibitzen oder an verblassten Wandmalereien zu kratzen. Bei einem Spaziergang über das 44 Hektaren grosse Gelände kann einem die Lust auf Antike allerdings auch gründlich vergehen. Aufsichtspersonal grunzt unfreundlich im neapolitanischen Dialekt. Nur ab und an sind Informationschilder mehrsprachig verfasst. «Vietato!», Eintritt verboten, steht an vielen sehenswerten Bauten. Geschlossen sind sie wegen Einsturzgefahr.

Das Porträt. Fotografie als Bühne

Samstag, Juli 25th, 2009

Kunsthalle Wien 19.7.

Fotografie-Ausstellungen sind scheinbar leicht konsumierbar, ist man doch ständig von Fotos aller Art umgeben und wird spätestens seit dem Massenphänomen der Digitalfotografie von allen Seiten damit traktiert. Da fällt es nicht leicht, in einer Ausstellung auf den “ästhetischen Modus” umzuschalten, und sich auf die künstlerische Seite der Gattung zu konzentrieren.

Die Austellung Das Porträt hilft einem durch Zweierlei bei der Umstellung der Rezeptionsgewohnheiten. Erstens ist die Schau überschaubar, pro Künstler sind immer nur eine gute Handvoll an Abzügen zu sehen. Die Auswahl der Fotografen ist zweitens derart, dass unterschiedliche Ästhetiken sehr deutlich zu Tage treten. Von der naturalistischen Sozialfotografie bis hin zu surreal anmutenden Fotocollagen ist ein weites Spektrum vertreten. Bis 18.10.

Museen

Dienstag, Juli 21st, 2009

Der Economist startet eine Sommer-Serie über weniger bekannte Museen.

Das Zeitalter Rembrandts

Samstag, Juni 6th, 2009

Albertina 1.6.

Der Titel der Ausstellung ist sprechend: Die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt. Der Betrachter schlendert im Untergeschoss der Albertina durch thematisch zusammengestellte Gemälde, Grafiken und Zeichnungen: Nachtgemälde, Marinemalerei, Stilleben …
Zusätzlich versuchen die Kuratoren, die Veränderung des Realismusbegriffs in dieser Zeit zu veranschaulichen. So die Weiterentwicklung von Fantasielandschaften hin zu genauen topographischen Studien. Formal ging damit das Verlassen der “Vogelperspektive” einher, man legte erstmals die Horizontlinie so tief an, dass man direkt ins Bild hineinblickt, was Unmittelbarkeit suggeriert. Wer die Ausstellung noch ansehen will, möge das bald tun. Sie läuft nur noch bis 21. Juni.

Raum im Bild - Interieurmalerei 1500 bis 1900

Sonntag, Mai 31st, 2009

Kunsthistorisches Museum 30.5.

Sabine Haag, die neue Direktorin des KHM, kündigte bei Amtsantritt an, dass sie mit den eigenen Beständen verstärkt arbeiten wolle. Diese kleine Ausstellung ist ein gutes Beispiel dafür. Sie umfasst nur einen großen Saal und greift bis auf wenige Ausnahmen auf die eigene Sammlung zurück, ermöglicht aber einen interessanten Einblick in die Interieurmalerei. Höhepunkt ist natürlich Vermeers Die Malkunst.

Man findet Bilder mit kirchlichen Innenräumen, Einblicke ins Privat- und Geschäftsleben, und Atelierbilder. Einige Gemälde sind mit protestantischer Moral unterfüttert, was der Kunst damals wie heute mehr schadet als nützt. Bis 12. Juli 2009.

Empfehlungen (10): Teaching Company - die besten Kurse

Freitag, Mai 1st, 2009

Die Teaching Company habe ich hier schon einmal im Allgemeinen empfohlen. An dieser Stelle will ich nun konkreter werden und einige der Kurse auflisten, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Ich habe die meisten als Audioversionen gehört, mit Ausnahmen wie Kunstgeschichte und ein paar anderen.

Vorab noch der Hinweis: Die Listenpreise erscheinen relativ hoch. Es geht aber jeder Kurs regelmäßig “On Sale” und wird dann für einen Bruchteil des Listenpreises angeboten.

Antike:

History of Ancient Egypt
Ancient Greek Civilization
Peloponnesian War
History of Ancient Rome
Emperors of Rome
Rome and the Barbarians

Geschichte:

Big History. The Big Bang, Life on Earth, and the Rise of Humanity
Foundations of Western Civilization I & II
Italian Renaissance
War, Peace, and Power: Diplomatic History of Europe, 1500–2000
History of the United States, 2nd Edition

Kunst:

A History of European Art
Great Artists of the Italian Renaissance

Literatur:

Masterpieces of Ancient Greek Literature
Dante’s Divine Comedy

Musik:

Bach and the High Baroque
Great Masters: All 10 Great Masters (Set)
How to Listen to and Understand Great Music
How to Listen to and Understand Opera
Operas of Mozart

Naturwissenschaften:

Einstein’s Relativity and the Quantum Revolution: Modern Physics for Non-Scientists, 2nd Edition
Nature of Earth: An Introduction to Geology
Origins of Life
Understanding the Human Body: An Introduction to Anatomy and Physiology

Philosophie:

Great Minds of the Western Intellectual Tradition, 3rd Edition
Plato, Socrates, and the Dialogues
Plato’s Republic
Machiavelli in Context

Religionswissenschaft:

Old Testament
Historical Jesus
The New Testament
Lost Christianities: Christian Scriptures and the Battles over Authentication

Museum der Stadt Bad Ischl oder über das Kulturverständnis der Provinz

Sonntag, März 29th, 2009

22.2.

Vor gut einem Monat hatte ich das Vergnügen, das “Museum der Stadt Bad Ischl” zu besuchen. Wer in Ischl unterwegs ist, dem fällt schnell auf, dass an allen Ecken und Enden auf das Stadt-Sein hingewiesen wird, ganz so, als sei man sich dessen doch nicht ganz sicher und müsste sich die Verortung auf der Urbanitätsskala, wenn auch ganz unten, ständig selbst bestätigen.

Nun könnte man einwenden: Was in aller Welt hat in einem Hochkultur-Blog ein Bericht über diese provinzielle Entität zu  suchen? Der Grund heißt Heinz Knapp, ein “Künstler”, der hier eigentlich auch nicht erwähnt werden dürfte, stünde er nicht symptomatisch für die kulturelle und ästhetische Rückständigkeit der Provinz. Ihm ist im “Museum der Stadt Bad Ischl” eine Sonderausstellung gewidmet, was mehr über das Kunstverständnis der Verantwortlichen aussagt als man eigentlich wissen will.

Das Museum selbst führt anhand “klassischer” Exponante durch die Stadtgeschichte. Die Räume sind durchaus sorgfältig kuratiert und vermitteln interessante historische Einblicke. Erwartungsgemäß fehlt aber jedes kritische Bewusstsein. Der Franz-Josefs- und Sissi-Kult feiert fröhliche Urständ - an der Museumskasse gibt es sogar Sissi-Handschmuck käuflich zu erwerben - und man ist bereits positiv darüber überrascht, dass die Unterzeichnung der Kriegserklärung in Ischl erwähnt wird.

Der Unterhaltungstonsetzer Franz Lehár wird ständig servil als “Meister Lehár” tituliert, woran Freunde der gepflegten Schnulze sicher ihre Freude haben.

Höhepunkt des Hauses die Sarsteinersammlung. Hans Sarsteiner (1839-1918) tat das Naheliegende: Er flüchtete regelmäßig aus Bad Ischl und unternahm eine Reihe von Weltreisen. Er brachte viele Exponate zurück nach Österreich, die jetzt im Museum zu sehen sind. Das bringt einen tröstlichen Hauch von weiter Welt in diese Räume, denn man erwartet keinen Samurai-Harnisch in einem oberösterreichischen Museum.

Man könnte die Form der Sonderausstellung nutzen, um kritisch einige Mythen der Stadt zu hinterfragen. Man könnte jungen Gegenwartskünstlern ein Forum bieten. Man könnte ein intellektuelles Kontrastprogramm anbieten als Gegenpol für die kulturelle Ödnis der Stadt. Stattdessen lädt man Heinz Knapp ein, seinen “Passionszyklus” auszustellen. Warum ein Mensch mit Verstand im 21. Jahrhundert religiöse Splatterthemen als Sujet wählt, soll hier gar nicht hinterfragt werden. Dass dies aber in einer künstlerisch derartig peinlichen Form geschieht, ist eine Provinzposse ersten Ranges. Die “besten” Bilder zeugen von dreister Klee-Epigonalität und die Skulptur im Raum (Goliath, wenn ich mich recht erinnere) erinnert ironiefrei an die Blechkulissen von Science Fiction Serien aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts.

New York Big City & Zauber der Ferne

Sonntag, März 22nd, 2009

Street Photography & Imaginäre Reisen im 19. Jahrhundert
Wien Museum 21.3.

Seit Wolfgang Kos das Wien Museum übernommen hat, gibt es dort regelmäßig sehr interessante Ausstellungen. Im Moment sind es gleich zwei: Eine Fotographie-Ausstellung über New York und eine kulturgeschichtliche Ausstellung über “virtuelles” Reisen im vorletzten Jahrhundert.

New York Fotos! Viele davon sind Ikonen geworden. “Big City” versucht einen Überblick über die Entwicklung dieses Genres zu geben, von den vierziger bis in die frühen achtziger Jahre, von Walker Evans bis Helen Levitt. Die Fotos sind alle sehr sehenswert und konzentrieren sich auf diejenigen New Yorker, die nicht in der Park Avenue wohnen. Man bekommt ebenfalls einen guten Eindruck, wie sich die Fotographie ästhetisch über die Jahrzehnte entwickelte, bis hin zu formalen Experimenten. Die Avantgarde ist allerdings nicht vertreten. Besonders beeindruckend fand ich die Portraits von Charles Traub, von denen eine Auswahl hier zu sehen ist.  Den einzigen Vorwurf, den man dem Kurator Gilles Mora machen könnte: Es hätten gerne mehr Fotos sein können.

Im Erdgeschoß findet sich eine ebenso kuriose wie spannende Schau über imaginäre Reisen. Wie wurden die Wiener des 19. Jahrhunderts mit Informationen über ferne Länder versorgt? Diese Ausstellung versucht eine Antwort darauf zu geben. Man sieht sowohl die technischen Möglichkeiten (Laterna Magica, Guckkästen) als auch Bilder, Filme, Plakate und vieles mehr zum Thema. Sehr originell und absolut empfehlenswert. Allerdings nur noch bis zum 29.3. zu sehen.

Rembrandt als Bücherfreund

Sonntag, März 15th, 2009

Als Rembrandts Hab und Gut nach seiner Privatinsolvenz 1656 versteigert wurde, waren darunter laut den überlieferten Listen nur fünf Bücher. Gary Schwartz kann das nicht gelten lassen:

The notion that these were the only books Rembrandt owned is to my mind completely out of the question. More than any artist of his age, Rembrandt lived among poets and playwrights. He was praised by Philips Angel for his erudition, specifically for his close reading. All his life he was engaged passionately with the narrative and historical aspects of his craft. No attribute occurs more commonly in his portraits than the book. No genre subjects attracts him more than the reader. His years in the Latin School and his early contacts with Leiden humanists and with Constantijn Huygens must have brought with them a respect for the book and, for a man with Rembrandt’s collecting instincts, a desire to own them. His training with Pieter Lastman could only have intensified this. Lastman’s inventory included “about 150 books”. Would his pupil owned fewer? In my picture of Rembrandt, this is inconceivable. I count Rembrandt’s library among the missing items in the inventory.

Gary Schwartz: The Rembrandt Book S. 138

Edgar Degas. Intimität und Pose

Samstag, Februar 14th, 2009

Hamburger Kunsthalle 9.2.

Außer der hier bereits gewürdigten Hackert-Exhibition zeigt die Kunsthalle auch noch eine Ausstellung über Edgar Degas. Der Schwerpunkt liegt auf den zahlreichen Tänzerinnen-Darstellungen des Impressionisten. Es sind eine Reihe von Skulpturen, viele Zeichnungen und auch einige Gemälde zu sehen. Kunstgeschichtlich wird bekanntlich immer die “Natürlichkeit” betont, mit der Degas den weiblichen Körper darstellte. Sehr zu Recht, wie man dort sehen kann. Leider sind die Exponate viel zu eng platziert und die mangelnde räumliche Großzügigkeit schadet den Werken sehr.

Matisse - Menschen, Masken, Modelle

Montag, Februar 9th, 2009

Bucerius Kunstforum 9.2.

Matisse ist natürlich einer der Namen der Kunstwelt, der “zieht”. So gab es bereits eine Schlange an der Kasse und die beiden Ausstellungsräume waren ebenfalls gut besucht. Man konnte sich die Bilder und Skulpturen aber noch in Ruhe ansehen.

Der Schwerpunkt der Schau liegt auf gemalten Portraits, allerdings sind auch ausgewählte Skulpturen und Zeichnungen vertreten. Letztere sind in einem eigenen Raum im zweiten Stock untergebracht.  Was die Bilder angeht, so sind darunter hochkarätige Leihgaben. Die “Madmoiselle H.D.” hatte mich schon in New York fasziniert. Die Ausstellung gibt einen guten Eindruck über Matisse’ ästhetische Entwicklung. Sehr interessant sind die vielfältigen Bezüge zu seinen Modellen. Die eigene Familie musste selbstverständlich posieren, aber auch professionelle Modelle kamen zum Zug. Selbst die Sammler seiner Werke wurden abgebildet, etwa das Ehepaar Stein, von denen zwei Portraits zu sehen sind.

Jakob Philipp Hackert (1737-1807)

Sonntag, Februar 8th, 2009

Hamburger Kunsthalle 8.2.

Hackert verdankt die anhaltende Beschäftigung der Nachwelt mit sich vor allem einer Tatsache: Er war ein Freund Goethes. Goethe war es auch, der nach Hackerts Ableben eine auf autobiographischen Quellen basierende Biographie herausgab. So überrascht es nicht, dass es vor allem die Goethe-Forschung war, die sich in der Vergangenheit um den Maler bemühte.

Die Hamburger Kunsthalle hat nun gemeinsam mit der Klassik Stiftung Weimar die erste Retrospektive organisiert, wobei sich diese auf die Landschaftsmalerei beschränkt: Europas Landschaftsmaler der Goethezeit.

Zu Lebzeiten war Hackert nämlich einer der berühmtesten Künstler Europas. Aus heutiger Sicht hat das nicht unbedingt mit der Qualität seiner Bilder zu tun, sondern mit einer beachtlichen Geschicklichkeit in Sachen zielgruppenspezifisches Marketing.

Hackert verbrachte fast sein gesamtes Leben in Italien und spezialisierte sich früh auf stilisiert-realistische Landschaftsbilder, welche mit Vorliebe von Adligen gekauft wurden, die sich während ihrer “grand tour” in Italien aufhielten. Zu seiner besten Zeit mussten die Auftraggeber bis zu sieben Jahre auf ihre Bilder warten. Hackert traf den Zeitgeschmack der Kunstsammler und schreckte auch vor ziemlich platter Epigonalität nicht zurück, etwa wenn er Claude Lorrain imitierte. Er könnte Höchstpreise für seine Werke verlangen und war einer der wohlhabendsten Künstler seiner Zeit.

Goethes Vorliebe für ihn bestätigt einmal mehr, dass sich der Kunstsinn des Weimarers nicht immer auf geschmacklich einwandfreien Bahnen bewegte. Sein Enthusiasmus für den drittklassigen Johann Heinrich Meyer, derselbe, der im Briefwechsel mit Schiller ständig gegrüßt wird, wäre ein weiterer Beleg dafür.

Die aktuelle Ausstellung ist plausibel kuratiert und gibt einen umfassenden Überblick über die Vielfalt von Hackerts Landschaftsmalerei. Die Anordnung der Gemälde ist gemischt chronologisch und thematisch. Schlendert man an den durchaus geschmackvoll in Szene gesetzen italienischen Landschaften vorbei, an den Villen, Küsten und Tempeln, kann man die Faszination der Zeitgenossen durchaus nachvollziehen. Es sind ebenfalls durchaus fragwürdige Beispiele seines Schaffens zu sehen, deren Epigonalität oder Künstlichkeit negativ ins Auge stechen. Dass die Kuratoren auch solche Bilder zeigen, ermöglicht dem Besucher, sich ein objektives Bild über Hackerts Leistungen zu erarbeiten.

Kurz der heutige Besuch dieser sehr erhellenden Ausstellung stimmte mich wieder etwas versöhnlicher, was die Hamburger “Kunstszene” angeht.