Archive for the ‘Literaturbetrieb’ Category

“Publishing: The Revolutionary Future”

Samstag, Februar 27th, 2010

Jason Epstein analysiert in seinem Artikel für die aktuelle New York of Review of Books (Nr. 4), welche Auswirkungen der digitale Wandel auf die Buchbranche haben wird:

The transition within the book publishing industry from physical inventory stored in a warehouse and trucked to retailers to digital files stored in cyberspace and delivered almost anywhere on earth as quickly and cheaply as e-mail is now underway and irreversible. This historic shift will radically transform worldwide book publishing, the cultures it affects and on which it depends. Meanwhile, for quite different reasons, the genteel book business that I joined more than a half-century ago is already on edge, suffering from a gambler’s unbreakable addiction to risky, seasonal best sellers, many of which don’t recoup their costs, and the simultaneous deterioration of backlist, the vital annuity on which book publishers had in better days relied for year-to-year stability through bad times and good. The crisis of confidence reflects these intersecting shocks, an overspecialized marketplace dominated by high-risk ephemera and a technological shift orders of magnitude greater than the momentous evolution from monkish scriptoria to movable type launched in Gutenberg’s German city of Mainz six centuries ago. […]

The resistance today by publishers to the onrushing digital future does not arise from fear of disruptive literacy, but from the understandable fear of their own obsolescence and the complexity of the digital transformation that awaits them, one in which much of their traditional infrastructure and perhaps they too will be redundant. Karl Marx wrote of the revolutions of 1848 in his Communist Manifesto that all that is solid melts into air. His vision of a workers’ paradise was of course wrong by 180 degrees, the triumph of wish over experience. What melted soon solidified as industrial capitalism, a paradise for some at the expense of the many. But Marx’s potent image fits the publishing industry today as its capital-intensive infrastructure—presses, warehouses stacked with fully returnable physical inventory, its retail market constrained by costly real estate—faces dissolution within a vast cloud in which all the world’s books will eventually reside as digital files to be downloaded instantly title by title wherever on earth connectivity exists, and printed and bound on demand at point of sale one copy at a time by the Espresso Book Machine[1] as library-quality paperbacks, or transmitted to electronic reading devices including Kindles, Sony Readers, and their multiuse successors, among them most recently Apple’s iPad. The unprecedented ability of this technology to offer a vast new multilingual marketplace a practically limitless choice of titles will displace the Gutenberg system with or without the cooperation of its current executives. […]

Seiner plausiblen Prognose nach wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Epstein betont die Chancen dieser Entwicklung, anstatt in eine kulturpessimistische Tirade zu verfallen.

Ich sehe die Ebook-Technologie als willkommene Ergänzung zum “klassischen” Buch. Für viele Anwendungsfälle werden Ebooks ihre Vorläufer auf Papier ablösen: Nachschlagewerke, Fachbücher, Gebrauchsliteratur. Die iTunes-Generation wird ihre Harry Potters und Grishams ohne Berührungsängste am Display lesen.

Das gedruckte Buch wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Wie auch in der Vergangenheit werden die Kulturpessimisten nicht Recht behalten, die mit erhobenem Zeigefinger altklug und neudumm gegen neue Technologien predigen.

Der neue Kindler

Samstag, Januar 30th, 2010

Roman Bucheli hat sich für die NZZ die Neuauflage von Kindlers Literaturlexikon angesehen. Er bewertet das Großprojekt in seiner Rezension als eine “verlegerische, editorische und wissenschaftliche Grosstat”.

“Literaturjournalismus bei Amazon und Co.”

Montag, Januar 18th, 2010

Die aktuelle Ausgabe von Literaturkritik.de hat unter anderem obigen Schwerpunkt.

Thomas Bernhard und Siegfried Unseld

Samstag, Januar 9th, 2010

Burgtheater 8.1.

Der Suhrkamp Verlag stellte gestern im Burgtheater den im Dezember veröffentlichten Briefwechsel zwischen Autor und Verleger vor. Der Abend startete mit einer Einführung des Lektors Raimund Fellinger. Es sei an dieser Stelle diplomatisch angemerkt, dass Lektoren nicht notwendigerweise rhetorisch fesselnde Vorträge auf Theaterbühnen halten. Es folgte mit einer weiteren, deutlich prägnanteren Einführung Martin Huber, Mitherausgeber und Leiter des Thomas-Bernhard-Archivs.

Im Zentrum des Abends stand freilich die szenische Lesung aus dem Briefwechsel. Gert Voss las Unseld und Peter Simonischek Bernhard. Sie konnten angesichts des Umfangs der Korrespondenz nur einen kleinen Teil zu Gehör bringen, nämlich 30 von 524 Briefen. Diese waren aber plausibel ausgewählt, nicht zuletzt in Hinblick auf ihren Unterhaltungswert. Ein vergnüglicher Abend, an dem naturgemäß die gesamte Bernhard-Gemeinde des Landes teilnahm.

Die Bücherlisten der New York Times

Samstag, Dezember 5th, 2009

Alle Jahre wieder wählt die Redaktion der New York Times die 100 Notable Books of 2009 aus. Außerdem wagemutig sogar die 10 Best Books of 2009.

Briefwechsel zwischen Bernhard und Unseld

Freitag, Dezember 4th, 2009

Nach mehrmaligen Verzögerungen bekam ich eben diesen spannenden Briefwechsel als Rezensionsexemplar. Werde für Literatur und Kritik eine ausführlichen Artikel darüber schreiben.

Google Books

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Robert Darnton berichtet in der aktuellen New York Review of Books ausführlich über den Stand des Rechtsstreits rund um die Verwertung der bisher digitalisierten zehn Millionen Bücher. Er bringt dabei eine öffentliche digitale Bibliothek als Alternative ins Gespräch:

The most ambitious solution would transform Google’s digital database into a truly public library. That, of course, would require an act of Congress, one that would make a decisive break with the American habit of determining public issues by private lawsuit. The legislation would have to settle ancillary problems—how to adjust copyright, deal with orphan books, and compensate Google for its investment in digitizing—but it would have the advantage of clearing up a messy legal landscape and of giving the American people what they deserve: a national digital library equal to the needs of the twenty-first century. But it is not clear how Google would react to such a buyout.

Suhrkamp

Freitag, November 27th, 2009

Die Zeit berichtet ausführlich über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieses verlegerischen Intrigantenstadels.

Über Bücher und Insektenleichen

Sonntag, Oktober 18th, 2009

Anlässlich der Buchmesse beschreibt Hans Zippert in der FAZ sehr hübsch die Nöte mit seiner Bibliothek:

Eine oberflächliche Inspektion ergab, dass ich über etwa 31,3 Meter Bücher verfüge, die, aneinandergelegt, nicht ganz bis zum Mond reichen würden. Sie würden nicht mal bis Offenbach reichen, wo man allerdings auch keine Bücher liest. […]

Mein Regal sah ohne Bücher und Insektenleichen sehr gut aus, es hatte etwas Verheißungsvolles, in die Zukunft Weisendes. Statt mich darüber zu freuen, packte ich die Kisten aus und begann den Inhalt wieder einzusortieren. Dabei nahm ich jedes Buch in die Hand, schaute es mit sorgenvollem Blick an, hielt es aus dem Fenster, blätterte es auf und schüttelte es hektisch. Möglich, dass wichtige Buchstaben oder Sätze dabei herausgefallen oder ganze Handlungsstränge durcheinandergeraten sind. Trotzdem muss man so mit Büchern verfahren, wenn man nicht will, dass sie völlig verstauben und anfangen, muffig zu riechen. […]

Besonders unangenehm kann die Zweireihigkeit werden, wenn man Besuch von einem Schriftsteller bekommt. Ich erinnere mich noch heute, wie Robert Gernhardt zwischen Suppe und Hauptgang vor meiner Bibliothek stand. Natürlich nicht ganz plump vor dem Buchstaben „G“, das wäre auch für ihn peinlich gewesen. Er äußerte sich lobend über meinen umfangreichen Bestand an Büchern von Alexander Lernet-Holenia, der insgesamt 31 Werke umfasst. Aber er hatte natürlich die Goebbels-Bücher registriert und auch die Goldt-Titel und vergeblich seine eigenen Werke gesucht, die alle nach hinten verbannt waren, worauf ich ihn dann notgedrungen hinweisen musste. Darauf bemerkte er vielsagend: „Soso, in der zweiten Reihe . . .“, und da schwang bei aller Ironie auch ein Hauch von Kränkung mit. […]

Der neue Kindler

Sonntag, September 20th, 2009

In Zeiten der untergehenden Großlexika wagt es der Metzler Verlag eine Neuauflage des Kindler Literaturlexikons auf den Markt zu bringen. 1950 Euro bis Ende des Jahres. Absurderweise kostet die Online-Ausgabe nicht weniger.

Volker Weidermann schrieb für die FAZ eine ausführliche Rezension.

Viele Fehler in Google Books

Donnerstag, September 10th, 2009

Mit der bibliographischen Qualität scheint es Google bei der Buch-Digitalisierung nicht genau zu nehmen berichtet Heise.

E-Book Reader werden populärer

Sonntag, August 30th, 2009

Der Economist berichtet über den aktuellen Stand der Dinge in seiner neuen Ausgabe.

Google Books - Die Gegner organisieren sich

Samstag, August 22nd, 2009

Amazon, Microsoft und Yahoo haben sich einer Initiative angeschlossen, welche zum Ziel hat, ein Google Monopol in Sachen digitaler Bibliothek zu verhindern. Die BBC berichtet ausführlich über die aktuellen Entwicklungen.

GEO über die Zukunft des Lesens

Sonntag, August 2nd, 2009

Die Titelgeschichte der August-Ausgabe ist der Lesezukunft gewidmet. Johanna Romberg beleuchtet das Thema von verschiedenen Seiten und der Artikel ist natürlich mit hübschen Fotos garniert. Schade ist, dass die vielen Fakten zum Thema durch keine Quellenangaben belegt werden, etwa, dass seit der sumerischen Zeit 32 Millionen Bücher publiziert worden seien.

Die Veränderung im eigenen Leseverhalten beschreibt Romberg so:

In letzter Zeit ertappe ich mich häufig dabei, dass ich beim Zeitungslesen zuerst den Schluss eines Artikel überfliege. Und nur gelegentlich, je nach Laune und Interesse, über die Mitte zum Anfang zurückzappe.
Beim Bücherlesen fange ich oft schon nach wenigen Dutzend Seiten an, vorauszublättern, womöglich einen Blick aufs Ende zu werfen - selbst dann, wenn ich am Inhalt interessiert bin. Häufig lese ich mehrere Bücher parallel. Manche bleiben so lange aufgeschlagen liegen, bis sich eine feine Staubschicht auf ihnen gebildet hat.
Wie viel ich im Internet lese, kann ich gar nicht mehr sagen. Und noch weniger weiß ich, ob das, war ich darin tue, den Namen “Lesen” überhaupt verdient.

Eine gewisse steigende Ungeduld bei der Lektüre beobachte ich an mir selbst. Ob ich Seiten überblättere, hängt aber stark vom Genre ab. Bei Fach- und Sachbüchern gehört das für den professionellen Leser natürlich zum Tagesgeschäft. Bei Literatur vermeide ich es meist, zumal ich vor allem nur noch Klassiker lese. Mehrere Bücher parallel lese ich auch immer. Einiges bleibt auch länger liegen, wie im Moment Nisbets monumentale Lessing-Biographie. Lese solche Liegenbleiber aber in der Regel immer zu Ende.

“Brockhaus beerdigt seine Enzyklopädie”

Mittwoch, Juli 22nd, 2009

Eine Institution der Bücherwelt ist am Ende. Mancher mag das mit einem Achselzucken hinnehmen. Wer jedoch die alten Auflagen kennt, weiß, welche nützlichen Quellen damit in Zukunft fehlen werden. Das Handelsblatt berichtet ausführlich.

Amazon löscht E-Books vom Kindle

Samstag, Juli 18th, 2009

Die New York Times berichtet, dass Amazon pikanterweise Bücher von George Orwell ohne Zustimmung der Besitzer von deren Kindle gelöscht hat.
Inzwischen ruderte Amazon zurück: Dies sei ein einmaliges Ereignis gewesen, da es sich um illegale Kopien gehandelt hätte. Trotzdem wirft es interessante Fragen rund um DRM und E-Books auf. Setzte sich dieses Prinzip technisch durch, könnte der Buchhändler die virtuellen Bücherregale seiner Kunden kontrollieren und unliebsames Material gegen deren Willen löschen. Bücher werden ab und an von Gerichten verboten, die Titel könnten dann ferngelöscht werden. In meinen echten Bücherregalen stehen einige Exemplare, die später zensiert wurden (Thomas Bernhards Holzfällen etwa). Man kann nur hoffen, dass die DRM-Verfechter bei den Ebooks ebenso den Kürzeren ziehen werden wie dies schon bei der Musikindustrie der Fall war.

Twitter-Literatur?

Donnerstag, Juli 16th, 2009

Markus Kolbeck hat die Links der letzten Tage zusammengestellt.

Verändern Smartphones den Umgang mit Büchern?

Montag, Juli 13th, 2009

Diese These vertritt Craig Morgan Teicher in seinem Artikel in Publishers Weekly. Gebe bei dieser Gelegenheit zu, dass auch ich für alle Fälle eine Reihe von Ebooks auf meinem BlackBerry mit mir herumtrage …

Want to bring along a library of great books wherever you go, from current bestsellers to the classics? To quote Apple’s ubiquitous iPhone slogan, “There’s an app for that.” Without question, the proliferation of smartphones is rapidly changing the way we think about mobile computing—and in the coming months and years, they may very well change the way we think about books.

[…]

With such a robust emerging market for smartphones, publishers are actively reimagining the very notion of the e-book, creating book-based apps that both enable mobile reading and enhance their books.

“Aus dem Antiquariat” und WBG

Sonntag, Juli 12th, 2009

Mitglieder der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, und wer ist das nicht, bekommen für ein Jahres-Abonnement der Zeitschrift Aus dem Antiquariat nun 25% Rabatt.

Jonathan Littell

Dienstag, April 28th, 2009

Littells Roman “Die Wohlgesinnten” gehört zu den meist diskutierten Romanen der letzten Jahre. In Frankreich mit Preisen überhäuft, in Deutschland meist als Naziporno verrissen, polarisierte seine ebenso empathielose wie ausführliche Beschreibung diverser Grausamkeiten und sexueller Perversionen Kritiker und Leser. Ich entschied mich damals gegen eine Lektüre.

Mit etwas Abstand legt nun der Altphilologie David Mendelssohn die wohl beste Analyse des Romans vor. Geschrieben für die New York Review of Books No. 5 unterscheidet er zwei strukturelle Hauptstränge, die er dann unterschiedlich bewertet:

The Kindly Ones comprises two large structural elements intended to explore these questions. The first is the historical/documentary plot—that is to say, the meticulous chronological recreation of Maximilien Aue’s wartime career from 1941 to 1945, which allows us to track Germany’s career, too: from the mass graves in eastern Poland and the Ukraine, following Operation Barbarossa, to Babi Yar and Kiev, to the Caucasus, and thence (after he irritates a senior officer who punishes him by sending him to the front) to the disaster at Stalingrad, then back to Berlin where he becomes a favorite of Himmler and Eichmann; then a stint in Paris which allows him to catch up with friends from his student days, collaborators who, like many of the characters, are real historical figures (Robert Brasillach, Lucien Rebatet); then a posting to Auschwitz in 1943, and finally, the fall of Berlin itself, which finds the Zelig-like Aue in Hitler’s bunker. This itinerary allows Max to be both eyewitness to and participant in the atrocities—and, because this narrator is an educated, reasonable-seeming man, allows the reader some access to the mentality of a perpetrator.

The second element is the mythic/sexual: that is, the entirety of the Oresteia story, superimposed on the primary narrative and consisting both of flashbacks to Max’s earlier life and events transpiring in the wartime present, which establishes him as a latter-day Orestes. He is obsessed with his soldier father’s disappearance at the end of the Great War, and with what he sees as the unforgivable betrayal of his father by his “odious bitch” mother (”It’s as if they had murdered him…. What a disgrace! For their shameful desires!”). He has an unnatural closeness to his Electra-like twin sister, Una (which turns out to be incestuous—a nod to Chateaubriand, one of the many French novelists who preside over Littell’s text; the sibling incest theme is, too, a notorious element in the work of the 12th century German bard Hartmann von Aue, whose name Littell has borrowed for his hero). He kills his mother and her second husband (in a scene closely modeled on Greek myth, including the mother’s desperate baring of her breast to her axe-wielding son). He is pursued relentlessly by agents of punishment—in this case, a pair of rather noirish detectives given the suggestive names of Weser and Clemens (”Be-er” and “Merciful”). All this is overlaid with increasingly elaborately narrated sexual fantasies and activities, culminating in an onanistic orgy at his sister’s abandoned house as the Russians enter Pomerania.