Archive for the ‘Theater’ Category

Calderon de la Barca: Das Leben ist ein Traum

Sonntag, März 8th, 2009

Burgtheater 2.3.

Regie: Karin Beier
Basilius: Peter Simonischek
Sigismund: Nicholas Ofczarek
Sigismunds Aufseher Clotald: Martin Reinke
Astolf: Johannes Krisch
Estrella: Myriam Schröder
Rosaura: Christiane von Poelnitz

Viel schlechtes Theater sah ich schon, aber diese Inszenierung zu unterbieten dürfte schwierig sein. Unglückliche Regie in Kombination mit mangelndem Textverständnis ist eine Mischung, die nur in eine Theaterkatastrophe münden kann.
Calderons Stücke sind nun für heutige Theaterbesucher eine schwere Kost, im Vergleich zu Shakespeare beispielsweise, dessen Handlungsbögen und Figuren ohne weiteres ein Publikum spannend zu unterhalten vermögen. Grund dafür ist die sehr artifizielle Ästhetik der spanischen Dramatiker des “Goldenen Zeitalters”. Kulturgeschichtlich passt das gut zu den ebenso abstrusen wie abgehoben Ritualen am Hof von Madrid. Diese ritualisierte Dramensprache erschwert naturgemäß die Zugänglichkeit.
Das Stück hat mit dem Traummotiv eine quasi philosophische Kompenente und stellt die beliebte Frage nach der Realität der Realität. Karin Beier konzentriert sich in dem arg zusammengekürzten Text auf den politischen Machtkonflikt zwischen Vater und gekürzt zu Ungunsten der abstrakteren Themen des Stücks.
Wie bei “Leonce und Lena” im Hamburger Thalia Theater frönt leider auch Beier einem völlig unangebrachten Debilitäts-Enthusiasmus. O. muss Sigismund als debiles Frack spielen (und macht dies kongenial), womit viele Motivstränge des Stücks kollabieren, etwa ethischen Fragen rund um Sigismund Verhalten im Regierungsexperiment.
Schon lange keinen so schlechten Theaeterabend mehr erlebt.

Büchner: Leonce und Lena

Dienstag, Februar 17th, 2009

Thalia Theater Hamburg 9.2.

Regie: Dimiter Gotscheff
Bühne: Katrin Brack


König Peter: Peter Jordan
Prince Leonce: Ole Lagerpusch
Prinzessin Lena: Katrin Wichmann
Valerio: Andreas Döhler
Die Gouvernante: Viktoria Trauttmannsdorff

Die Beurteilung dieser Aufführung läßt sich auf die Frage zuspitzen: Wie halten Sie es mit dem Regietheater? Gelungenes Regietheater kann sehr spannend sein, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Gotscheffs Bearbeitung des Büchner Stoffes in diese Kategorie fällt. Das Bühnenbild ist ohne Zweifel ein gelungener Einfall: Auf einer großen Treppe liegen eine Menge geschlossener Schlafsäcke, von denen nicht wenige mit Statisten “gefüllt” sind. Diese Untertanen des Königs Peter drehen und winden sich in regelmäßig, so dass der absurde Eindruck entsteht, als handele es sich um Insektenlarven. Das passt ausgezeichnet zum grotesken Stil des Stücks und zum satirischen Gehalt des Stücks.

Diese Regieidee rettet den Theaterabend. Das übertriebene Gehabe des Ensembles hat man in den letzten Jahren schon so oft gesehen, dass es eigentlich nur noch langweilt. Ole Lagerpusch gibt Leonce als eine mildere Version der Gumbies aus Monty Pythons “Flying Circus”. Er macht das mit großem Einsatz, aber es ist nur sehr bedingt komisch. Peter Jordan gibt den König als eine Art geklonter Urban Priol.

Am Schluss habe ich mich ziemlich gelangweilt, was angesichts des Regieaufwands seltsam ist. Mehr Büchner und weniger Gotscheff wäre aufregender gewesen.

Schiller: Don Carlos

Samstag, Januar 24th, 2009

Burgtheater 19.1.

Regie: Andrea Breth

Philipp II., König von Spanien: Sven-Eric Bechtolf
Elisabeth von Valois, seine Gemahlin: Johanna Wokalek
Don Carlos, der Kronprinz: Philipp Hauß
Prinzessin von Eboli, Dame der Königin: Christiane von Poelnitz
Marquis von Posa: Denis Petkovic
Herzog von Alba: Nicholas Ofczarek
Domingo, Beichtvater des Königs: Cornelius Obonya

Der Großinquisitor: Elisabeth Orth

Großartiges Theater war in Wien die letzten Jahre nur selten zu sehen. Es dominierte das Mittelmaß und es gab einige erstaunlich schlechte Inszensierungen. Zwei Ausnahmen allerdings gab es: Die Stücke, welche Andrea Breth und Martin Kusej auf die Bühne brachten.

Dieser “Don Carlos” gehört zweifellos zum Besten, was die Wiener Theaterwelt in den letzten fünf Jahren zu bieten hatte. Desto erfreulicher die Wiederaufnahme und desto unverständlicher, warum Bachler diese Aufführung aus dem Spielplan nahm. Zum Ende seiner Amtszeit gönnt er den Wiener Theaterfreunden noch einige wenige Gelegenheiten, sich die Inszenierung noch einmal anzusehen.

Sieht man Breths Theaterarbeit zum zweiten Mal, fallen einem verstärkt auch die subtileren Regie-Ideen auf. Bekanntlich bedient sich Breth meist eines modernen Bühnenbilds, kombiniert dies aber mit einer heute ungewöhnlichen Texttreue zum Stück und, auch nicht mehr selbstverständlich, mit großem Textverständnis.

Der spanische Hof ist in einem tristen modernen Büroambiente angesiedelt, was ausgezeichnet zum spanischen Hofprotokoll passt. Die geschickt eingesetzte Drehbühne erlaubt immer neue Arrangements und die Übergänge zwischen den Szenen sind immer wieder mit fulminanten Bildideen umgesetzt.

Die Psychologie der Figuren ist differenziert und scharf ausgeleuchtet, so wird der Idealismus Marquis de Posa mit einer subtilen Ironie unterlegt, ohne jedoch seinen Idealismus ins Lächerliche zu ziehen. Besonders beeindruckend ist Sven-Eric Bechtholf als Philipp II, seine Leistung dürfte für viele Jahre Referenzcharakter haben. Philipp Hauß gibt Don Carlos als vergleichsweise zappeligen Jüngeling.

Diese Inszenierung sollte kein Theaterfreund in Wien versäumen, es gibt noch wenige weitere Termine im Februar. Könnte gut sein, dass ich sie mir zum dritten Mal ansehe.

Thomas Bernhard: Der Schein trügt

Sonntag, Januar 11th, 2009

Burgtheater 6.1.

Karl: Martin Schwab
Robert: Michael König
Regie: Nicolas Brieger

Die Kritiken waren nicht sehr vorteilhaft, und tatsächlich lässt sich einwenden, dass es in der Vergangenheit inspiriertere Bernhard-Inszenierungen am Burgtheater gegeben hat. Man wird den Eindruck nicht los als bewege sich die Aufführung immer nur an der Oberfläche.
Was den Abend dennoch rettet ist die fulminante Schauspielleistung von Martin Schwab und Michael König. Schwab gibt den Artisten Karl als verzweifelt-komischen Geistesmenschen und reiht ihn damit passend in die Riege dieser schrägen Bernhard-Typen ein. König spielt dessen Stiefbruder Robert, einem pensionierten Schauspieler, überzeugend kauzig-zurückhaltend.
Es spricht nichts dagegegen, sich diese Inzensierung anzusehen, Bernhards Text trägt gut über die zwei Stunden hinweg. Man sollte aber kein großes Theaterereignis erwarten.

Karl Schönherr: Der Weibsteufel

Sonntag, Dezember 7th, 2008

Akademietheater 2.12.
Regie: Martin Kusej
Der Mann: Werner Wölbern
Sein Weib: Birgit Minichmayr
Ein junger Grenzjäger: Nicholas Ofczarek

Martin Kusejs brillante Theaterarbeit hebt sich vom meist aufs Mittelmaß abonnierte Wiener Theaterleben wohltuend ab. Ein vergleichsweise biederes Stück wie Schönherrs “Der Weibsteufel” in einen fulminanten Theaterabend zu verwandeln braucht mehr als bloßes Talent.
Riesige, kreuz und quer liegende Baustämme bedecken die Bühne und auf ihnen entfaltet sich das psychologische Eifersuchts- und Ehedrama. Kusej inszeniert es als eindringliches Kammerspiel bei dem man ständig den Eindruck hat, also werden hier viel größere Themen behandelt als die Racheintrige einer unterdrückten Ehefrau. Schauspielerische Perfektion rundet die Regieleistung ab.

Edward Albee: Wer hat Angst vor Virgina Woolf

Freitag, November 7th, 2008

Burgtheater 25.10.
Regie: Jan Bosse
Martha: Christiane von Poelnitz
George: Joachim Meyerhoff
Putzi: Katharina Lorenz
Nick: Markus Meyer

Anstatt der versprochenen Faust-Inszenierung, setzte das Burgtheater Edward Albees psychologisches Ehegemetzel auf den Spielplan. Das Bühnenbild, eine Menge Whiskeyflaschen stehen statt Bücher im Regal, ist originell. Mehr Originalität wird dann freilich nicht mehr geboten. Die erste Hälfte war eine langweilige Durchschnittsinszenierung, die zweite Hälfte musste deshalb ohne mich mich stattfinden. Das lag nicht an den Schauspielern, speziell von Poelnitz und Meyerhoff waren gut in Form. In keinerlei Hinsicht ein Ersatz für den ausgefallenen “Faust”.

Maxim Gorki

Samstag, September 6th, 2008

Nachtasyl. Reclam

Dieses Drama ist speziell im deutschsprachigen Raum sehr bekannt. Max Reinhardts Inszenierung 1903 in Berlin hatte eine große Resonanz und die Rezeptionsgeschichte bis zum zweiten Weltkrieg wäre eine eigene Abhandlung wert.
Das Revolutionäre des Stücks waren dessen “Helden”. Zwar war es in Deutschland nicht zum ersten Mal, dass die Erniedrigten nd Beleidigten die Hauptrollen spielten (Büchner, Hauptmann), aber in dieser geballten Form waren gescheiterte Existenzen am Boden der Gesellschaft noch nicht präsent. Die Bewohner einer letztklassigen Absteige stehen im Mittelpunkt der Handlung. Angesichts der europaweit wieder neu aufgehenden Schere zwischen Arm und Reich liest sich das heute aktueller als noch vor 15 Jahren.
Gorki zeichnet nicht schwarz-weiss. In den Gesprächen und Erzählungen der Bewohner wird schnell deutlich, dass es nicht nur “die Gesellschaft” ist, welche am Scheitern dieser Existenzen schuld ist. Dieser Faktor spielt im Russland der letzten Jahrhundertwende natürlich eine massgebliche Rolle, es werden aber auch individuelle Faktoren herausgearbeitet, welche an der Misere der Einzelnen mitverantwortlich sind.

Schiller: Die Räuber

Samstag, August 30th, 2008

Salzburger Festspiele 23.8.
Regie: Nicolas Stemann
Philipp Hochmair, Daniel Hoevels, Felix Knopp, Alexander Simon

Wer Stemanns kluge Jelinek-Inszenierungen kennt, durfte auf seinen Versuch gespannt sein, Schillers wildestes Drama auf die Bühne zu bringen. Statt ausgetretene Pfade des Regietheaters zu begehen, wählte Stemann einen originellen Ansatz: Er nahm Anleihen bei einer Sprechoper und ließ die vier Schauspieler Franz und Karl Moor mal gleichzeitig, mal nacheinander sprechen (auch andere Charaktere ab und an). Hervorzuheben ist auch, dass Schillers Text fast unangetastet verwendet wurde.

Das wirkte im ersten Moment irritierend, war dann aber schnell überzeugend und öffnete ein breites Assoziationsspektrum nicht nur psychologischer Natur. Das gemeinsame Sprechen erinnerte stellenweise an den Chor einer antiken Tragödie, speziell wenn in den berühmten Dialogen grundsätzliche moralische Themen abgehandelt wurden.

Auch sonst bediente sich die Regie durchaus überzeugend der Mittel des modernen Theaters. Die Schauspieler verließen immer wieder ironisch ihre Rolle (episches Theater light), improvisierten usw.

Bis zur Pause ging das einigermaßen gut, danach aber stürzte die Inszenierung leider qualitativ merklich ab. Nun ist es notorisch schwierig, den melodramatischen Schluss “Der Räuber” heutzutage glaubwürdig darzustellen. Stemann versuchte einen seltsamen Balanceakt zwischen ironischer Brechung und krudem Realismus (etwa der malerisch naturalistisch verlumpte alte Moor nach der Befreiung aus dem Turm), der ihm in keiner Hinsicht gelang. So ist das Fazit doch sehr zwiespältig: Eine spannend beginnender Theaterabend entwickelt sich am Ende zum Desaster im mehrfachen Wortsinn.

Shakespeare: Rosenkriege

Samstag, Juni 14th, 2008

Burgtheater 1.6.
Regie: Stephan Kimmig
Regina Fritsch, Dorothee Hartinger, Nicholas Ofczarek, Martin Schwab, Hermann Scheidleder uvm.

Sieben Stunden Shakespeare am Stück waren angesagt, bevor das Burgtheater in eine Art Edelfanzone für die Euro verwandelt wurde, ganz so als sei die Evokation atavistischer Triebe namens Fussball nicht das Gegenteil von Kultur.
Stephan Kimmig nahm die drei Teile von Heinrich VI. und Richard III. und verwandelte diese in einen Theatermarathon. Nun zeichnen sich die Historien Shakespeares bekanntlich durch eine unglaubliche Vielschichtigkeit auf allen Ebenen aus, das fängt bei der Vielzahl der genau gezeichneten Charaktere an und hört bei der Dramatisierung politischer Konzepte und anthropologischer Konstanten noch lange nicht auf. Was macht Kimmig daraus? Er reduziert diese Komplexität auf eine Aneinanderreihung von Gewalt- und Todesszenen, ganz so wie der Banause Shakespeare gerne mit vielen Leichen auf der Bühne verbindet.
Diese viel zu lange Kurzfassung wird dann inszenatorisch noch so uninspiriert und widersprüchlich präsentiert, dass die ästhetische Ratlosigkeit mit Händen zu greifen zu war. Mal gab es eine groteske Todeszene im Stile Monty Phytons, mal eine pathetisch aufgeladene Mordtat. Das handwerklich passable Schauspiel des Ensembles kam dagegen nicht auf.
Eine zu vermeidende Zeitverschwendung!

Gert Jonke: Freier Fall (Uraufführung)

Sonntag, Juni 1st, 2008

Akademietheater 30.5.
Regie: Christiane Pohle
Ouvertüre: Branko Samarovski
Erich: Markus Hering
Bertl: Johannes Krisch
Göre: Adina Vetter
Butler Zwillinge: Sven Dolinski
Butler Zwillinge: Gerrit Jansen
Siedu: Libgart Schwarz
Soldat: Michael Masula
Musiker: Claus Riedl
Musiker: Georg Wagner

Von allen Gegenwartsdramatikern, denen sich das Burgtheater in der aktuellen Ära verschrieben hat, ist Gert Jonke die beste Wahl. Nach der frappenten “Versunkenen Kathedrale” ist sein neues Stück eine ebenso geistreiche wie fantasievolle Variation über diverse Themen, allem voran der Selbstmord. Die ersten zwei Drittel des Stücks zeigen den Suizid-Spezialisten Erich, frisch aus der Psychiatrie entlassen, bei seinem Hobby, nämlich Selbstmörder durch die Beschreibung einer besonders einfachen Möglichkeit, aus dem Leben zu scheiden, erfolgreich von eben diesem Tun abzuhalten. Erich erwarb sich das Freitod-Expertentum dadurch, dass er sich seit der Jungsteinzeit immer wieder erfolgreich aus diversen Biographien verabschiedet hat und dies auf kleinen Filmen dokumentierte. Diese werden dem Publikum durch Projektion als Handyvideos in Auswahl vorgespielt.
Dies ist nicht nur ein erstklassiger makaberer Spass in bester britischer Manier, er steht auch explizit in der Tradition des berühmten Wiener Morbiditätsenthusiasmus. Weitere selbstironische Anspielungen verorten Jonke klar durch diverse Topoi in der österreichischen Literaturtradition, nicht zuletzt was seine Sprachverspieltheit angeht.
Nach zwei Drittel verliert das Stück zwar etwas an Schwung, den Schluss einmal ausgenommen, trotzdem kann ein Besuch der gelungenen Inszenierung uneingeschränkt empfohlen werden.

Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels

Samstag, April 12th, 2008

Burgtheater 1.4.
Regie: Dieter Giesing
Véronique Houillé: Maria Happel
Michel Houillé: Roland Koch
Annette Reille: Christiane von Poelnitz
Alain Reille: Joachim Meyerhoff

Reza spezialisierte sich auf Stücke, die scheinbar den Nerv der Zeit treffen. Ihr theatralisches Prinzip ist schnell benannt: Versteckte Anbiederung an die Vorurteile des gebildeten Mittelstands. So ist es nicht überraschend, dass ihr jüngster Text in den europäischen Theatern erneut stürmische Erfolge feiert. Bietet er doch nichts weniger als die Möglichkeit, Boulevard zu zeigen, der sich hinter dem Deckmäntelchen des intelligenter Gegenwartsdramatik versteckt. Angesichts leerer Theaterkassen, ergreift man so eine Gelegenheit natürlich gerne…

Bereits Rezas oft gespieltes “Kunst” folgte diesem Schema und setzte schlau auf das Unverständnis gegenüber moderner Kunst. In “Der Gott des Gemetzels” stattet ein Ehepaar einem anderen einen Versöhnungsbesuch ab. Ihr Sohn hatte dem Sprössling der anderen mit einem Stock ein paar Zähne ausgeschlagen. Ziel ist eine kultivierte Aussprache. Statt dessen setzt Reza eine Spirale in Gang, die in der Auflösung aller kultivierten Umgangsformen und einem heftigen Streit endet. Man kennt das aus viel gelungeneren Werken (Who’s Afraid of Virginia Woolf?) zur Genüge.

Dies alles ist nun theatertechnisch kompetent umgesetzt, sowohl was den Text als auch was die Inszenierung angeht. So spult sich das Stück unterhaltsam vor einem ab. Man darf nur nicht den Fehler machen, darüber nachzudenken. Sonst bleibt einem das Lachen schnell im Halse stecken.

Simon Stephens: Motortown

Samstag, Februar 16th, 2008

Akademietheater 4.2.
Regie: Andrea Breth
Lee: Markus Meyer
Danny: Nicholas Ofczarek
Marley: Johanna Wokalek
Tom: Jörg Ratjen
Paul: Wolfgang Michael
Jade: Astou Maraszto
Justin: Udo Samel
Helen: Andrea Clausen

Der Brite Simon Stephens führt in seinem Stück “rücksichtslos” die verheerenden psychologischen Konsequenzen des Irakkriegs vor Augen. Danny, grandios gespielt von Nicholas Ofcarek, kehrt traumatisiert aus dem Südirak in sein London der Unterprivilegierten zurück. In einzelnen, scharf geschnittenen Szenen zeigt Stephens einen durch den Krieg ruinierten Menschen in einer menschlich verwahrlosten Umwelt. Man muss immer wieder an “Woyzeck” denken: “Motortown” erinnert sowohl von der Hauptfigur als auch von der Ästhetik an Büchners Klassiker. Zumal in beiden Stücken ein Mord im Mittelpunkt steht. Dannys sadistische Tat, das Quälen und die Ermordung eines vierzehnjährigen Mädchens, inszeniert Andrea Breth so schockierend realistisch, dass mehrere Zuseher das Theater verlassen.

Auch sonst belegt Breth mit dieser brutalen Milieustudie einmal mehr, dass sie zu den besten Theatermacherinnen im deutschsprachigen Raum zählt. “Motortown” zeigt, wie gute Gegenwartsdramatik aussehen kann, speziell, wenn es mit einem so großartigen Ensemble umgesetzt wird.

Schiller: Wallenstein [3.]

Sonntag, Januar 13th, 2008

Werkausgabe & Burgtheater 5.1.
Regie: Thomas Langhoff
Wallenstein: Gert Voss
Octavio Piccolomini: Dieter Mann
Max Piccolomini: Christian Nickel
Graf Terzky: Johannes Terne
Illo: Dirk Nocker
Isolani: Johannes Krisch
Buttler: Ignaz Kirchner
Herzogin von Friedland: Kitty Speiser
Thekla: Pauline Knof
Gräfin Terzky: Petra Morzé

Viel Glück hatte das Burgtheater nicht mit diesem “Wallenstein”. Ursprünglich sollte Andrea Breth die Reihe ihrer ausgezeichneten Schiller-Inszenierungen fortsetzen: zwei Abende waren geplant. Breth musste leider (leider!) eine Auszeit nehmen und Thomas Langhoff sprang ein. Aus zwei Abenden wurde einer, womit wir schon am Kern des ästhetischen Problems angekommen sind.

Eine Kurzfassung aufzuführen, ist natürlich immer eine legitime Möglichkeit. “Der Sturm” im Akademietheater etwa bot eine originelle und deshalb stimmig geschrumpfte Version. Langhoff dagegen kürzte, ohne sein Regiekonzept einer “normalen” (modernen) Klassikerinszenierung aufzugeben. Die Konsequenz: Bildungsbürgerlicher Schiller in einer Digestfassung, die viel Bildungsgut wegkürzt. Ein seltsames Paradoxon.

Während man die “Die Piccolomini” und “Wallensteins Lager” ordentlich zusammenstutzte, fiel “Wallensteins Lager” komplett der Schere zum Opfer. Das ist besonders ärgerlich, weil sich Schiller hier auf der Höhe seiner Theaterkunst zeigt. Er bringt zum ersten Mal viel (Kriegs)volk als Hauptdarsteller auf die Bühne, und nimmt damit partiell Büchners “Woyzeck” vorweg. Zusätzlich greift er zum raffinierten Mittel der indirekten Einführung seiner Hauptfigur. “Wallenstein” ist an jedem Lagerfeuer präsent, ohne im ersten Teil der Triologie einen Auftritt zu haben.

Die viereinhalb Stunden lange Kurzfassung ist, sieht man von diesen grundsätzlichen Einwänden ab, nicht völlig misslungen. Vor allem, wenn man das Stück frisch gelesen noch im Gedächtnis hat, und damit die Kürzungen leichter verschmerzt. Gert Voss kann als Wallenstein nicht gänzlich überzeugen. Dieser Feldherr ist als eine Art gealterter Hamlet angelegt, ein intellektueller Zauderer. Diesen Typus verkörpert Voss gekonnt, dafür bleibt das Charisma eines Heerführers auf der Strecke und damit ein wichtiger Teil des Charakters der Figur. Christian Nickels Max Piccolomini, der beim Lesen an den moralischen Idealismus und das Feuer des Marqis de Posa erinnert, wirkt ähnlich blass.

Nach diesem Abend frägt man sich einmal mehr, warum keine der großartigen Inszenierungen der Breth (”Don Karlos”, “Maria Stuart”) mehr auf dem Spielplan steht.

Dostojekwskij: Die Brüder Karamasow

Sonntag, Dezember 30th, 2007

Akademietheater 28.12.
Regie: Nicolas Stemann
mit Sachiko Hara, Myriam Schröder, Mareike Sedl, Adina Vetter, Philipp Hochmair, Hans Dieter Knebel, Thomas Lawinky, Rudolf Melichar, Joachim Meyerhoff, Sebastian Rudolph, Hermann Scheidleder, Martin Schwab

Nun habe ich ja eine Schwäche für ästhetischen Wagemut, weshalb ich diesem megalomanen Projekt, einen der großen Romane Dostojewskijs auf die Bühne zu bringen, mit Spannung entgegen sah. Nicolas Stemann war bisher vor allem durch seine kongenialen Bühnenfassungen diverser Stücke der Elfriede Jelinek bekannt, deshalb war nicht vorherzusehen, wie er diese Sache angeht. Eine neue Variante von Castorfs Stückezertrümmerung?

Im Gegenteil! Stemann und der Dramaturg Joachim Lux versuchten buchstäblich die wesentliche Motive des Romans zu inszenieren: Einerseits die “Sex and Crime” Handlung rund um Vatermord und Frauengeschichten, andererseits den metaphysischen Überbau und das Religionsthema (Theodizee!). Letzteres immer wieder mit erfrischend ironischen Elementen angereichert(z.B. durch einen katholischer Knabenchor), was angesichts der pathetisch-sentimentalen Seite dieser Medaille dringend notwendig war . Stemann gruppiert diesen Motivkomplex rund um die den Starzen Sosima und legt weltanschauliche Textpassagen aus dem Roman diversen Akteuren in den Mund. Als erste Szene wählte Stemann sehr geschickt eine überaus theaterwirksame aus: Das Zusammentreffen der drei Brüder mit dem Vater Karamasow bei Sosima.

Es verblüfft, wie viel wichtige Motivstränge sich in knapp vier Stunden Theater unterbringen lassen. Am effektivsten ist natürlich die Kriminalgeschichte, und wenn man einen Einwand machen will, dann könnte man sagen, dass sie weniger eng verwoben mit dem Weltanschauungsthema ist als im Roman. Hier kommt das Theater an die Grenze seiner Möglichkeiten.

Die Inszenierung insgesamt ist sehr gelungen. Das Bühnenbild schwankt zwischen klösterliche Leere und einem zweistöckigen nach vorne offenen “Haus” in dem sich gleichzeitig Szenen der Handlung abspielen. Requisten werden effektvoll oft nur angedeutet (eine Tür im leeren Raum). Die schauspielerische Leistung ist zu großen Teilen brillant. Wieder ist es Joachim Meyerhoff, der mit seiner Kunst verblüfft: Er trägt als Iwan so furios die Erzählung vom Grossinquistor vor (besser: er durchläuft während der Lesung eine Metamorphose und wird selbst zum Inquisitor).

Diese Aufführung ist ein klarer Beleg dafür, dass sich “verrückte” Ideen auszahlen können. Eine Empfehlung.

Lukas Bärfuss: Die Probe (Der brave Simon Korach)

Samstag, Dezember 15th, 2007

Akademietheater 4.12.
Regie: Nicolas Brieger
Peter: Dietmar König
Simon: Michael König
Franzeck: Roland Koch
Agnes: Sabine Haupt
Helle: Barbara Petritsch

Lukas Bärfuss wird gegenwärtig gern gespielt, greift er doch aktuelle Themen auf und bringt sie auf die Bühne. Dieses Mal hat er sich die Gentechnik erwählt, eines der Lieblingsthemen der Feuilletons seit längerer Zeit. Peter Korach, glücklicher Ehemann und Familienvater, packt der Zweifel und er läßt heimlich einen Vaterschaftstest durchführen: Sein vierjähriger Sohn ist nicht mit ihm verwandt. Hier setzt das Stück ein und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Ein Hauch Ibsen garniert mit grotesken Elementen ist das Ergebnis. Zweiter Motivkomplex ist die politische Karriere seines linken Vaters, der eben zu einem erneuten Anlauf ansetzt, das Bürgermeisteramt zu erobern. Nimmt man noch einen aus der Gosse aufgenommenen “Adoptivsohn” hinzu, den Simon Korach zu seinem Wahlkampfleiter kürte und der Peter den Floh mit der Probe ins Ohr setzte, ist die dramatische Konstellation komplett. Dank des wie immer sehr guten Ensembles und des geglückten Bühnenbilds ergibt das einen passablen zweistündigen Theaterabend. Viel mehr hat das zeitgenössische Drama im Moment offenbar nicht zu bieten.

Wajdi Mouawad: Verbrennungen

Sonntag, Dezember 9th, 2007

Akademietheater 2.12.
Regie: Stefan Bachmann
Nawal: Regina Fritsch
Jeanne: Melanie Kretschmann
Simon: Daniel Jesch
Hermile: Markus Hering
Antoine: Juergen Maurer
Sawda: Sabine Haupt
Nihad: Klaus Brömmelmeie

Man sieht es buchstäblich vor sich, wie im Sommer 2006 anlässlich des Libanonkrieges die Köpfe im Burgtheater rauchten. Ein aktuelles Stück über den Libanon muss her! Zeitgenössisches, politisches Theater ist ein wichtiges Anliegen, und man kann ja nicht jedes Mal wie ein x-beliebiges Stadttheater “Mutter Courage” hervorkramen, wenn es wieder einmal Krieg gibt. Man suchte und suchte und schließlich stieß man auf “Verbrennungen” von Mouwad und hatte sogar noch eine österreichische Erstaufführung in der Tasche.

Leider hat diese Geschichte kein happy end: Es handelt sich nämlich um ein miserables Stück. Mouawad gibt sich nämlich nicht mit den Verfassen eines Antikriegsstücks zufrieden, er muss es auch noch zu einer Art griechischen Tragödie aufblähen: Inzest, Vergewaltigung, Verblendung: Alles da. Dramaturgisch ist das alles ziemlich holprig (eine antike Tragödie beginnend mit einer Testamentseröffnung beim Notar) und das Stück überwiegend konturlos. Will man die Hölle der Gegenwartskriege darstellen, ist es nicht notwendig, gleichzeitig noch eine Orestie für Arme abzunudeln. Will man Betroffenheit hervorrufen (mit quasirealistischen Schockszenen) sollte man keine Hampelmänner wie die Figur des Notars ins Stück aufnehmen. Es reicht nicht ein paar klassische Dramenmotive zu nehmen (Suche nach dem Vater, Geschwisterkonflikt) und diese willkürlich mit realistischen Elementen zu vermischen.

Die Regie geht mit diesem Problem auch eher ratlos um, weicht stellenweise sogar in Richtung Slapstick aus. Das Beste, was man über den Abend sagen kann, ist die tolle schauspielerische Leistung. Das Ensemble ist großartig und sorgt für die einzigen lichten Momente eines langweiligen Theaterabends.

James Goldman: Der Löwe im Winter

Samstag, November 24th, 2007

Burgtheater 21.11.
Regie: Grzegorz Jarzyna
Henry: Wolfgang Michael
Eleanor, seine Frau: Sylvie Rohrer
Richard, ihr ältester Sohn: Markus Meyer
Geoffrey, ihr mittlerer Sohn: Philipp Hauß
John, ihr jüngster Sohn: Sven Dolinski
Alais Capet: Katarzyna Warnke
Philipp Capet, ihr Bruder: Tomasz Tyndyk

Das im März 1965 am Broadway uraufgeführte Stück war ein ebenso großer Erfolg wie die drei Jahre später gedrehte Verfilmung mit Peter O’Toole und Katherine Hepburn. Auf den deutschsprachigen Bühnen war es selten zu sehnen: Das Burgtheater bringt also eine Rarität und zwar ein Historiendrama, das im späten 12. Jahrhundert am Hof Henry II. spielt, und die Aufteilung des Reiches unter seinen drei Söhnen zum Thema hat. Die Inszenierung Jarzynas transponiert diese Konflikt in ein modernes Unternehmen. Sehr seltsam deshalb, dass am Ende in einem schriftlichen Abspann ausführlich die historischen Folgen des Konflikts referiert werden, was einen unausgegorenen Eindruck hinterlässt.

Den Regiestil würde ich mit den Adjektiven elegant, ausgewogen, stilisiert beschreiben, was gut zu dem Stück passt. Das auf zwei Ebenen angesiedelte Bühnenbild erinnert an ein modernes Hotelatrium, das mit durch Glaswänden abgetrennte Räume umgeben ist, und sehr stimmig zur Inszenierung passt. Das Ensemble ist ohne Ausnahmen sehenswert. Es hätte ein herausragender Theaterabend werden können.

Die Crux des Abends war die musikalische Untermalung. Entweder durfte ein Pianist auf der Bühne in Potpourri-Manier das Geschehen begleiten oder es gab penetrante Hintergrundmusik aus den Lautsprechern. Jarzyna vertraute offenbar seiner Regiekunst nicht genug und setzte dieses plumpe Mittel zur Stimmungsmache ein. Die Inszenierung hätte ohne diese Berieselung jedoch viel besser funktioniert und wäre stimmiger gewesen. Das ist kein Grund, nicht ins Burgtheater zu gehen, reduziert aber einen potenziell erstklassigen Abend auf ein durchschnittliches Niveau.

Shakespeare: König Lear

Samstag, Oktober 20th, 2007

Burgtheater 13.10.
Regie: Luc Bondy
Lear, König von Britannien: Gert Voss
König von Frankreich: Roch Leibovici
Herzog von Burgund / Oswald: Markus Hering
Herzog von Cornwall: Johannes Krisch
Herzog von Albany: Gerd Böckmann
Graf von Gloster: Martin Schwab
Graf von Kent: Klaus Pohl
Edgar, Glosters Sohn: Philipp Hauß
Edmund, Glosters Bastard: Christian Nickel
Der Narr: Birgit Minichmayr

Man freut sich heutzutage, wenn man gelegentlich ein komplettes Stück sehen kann, das nicht durch Kürzungen auf die Hälfte zusammengestrichen wurde. Luc Bondy lieferte erwartungsgemäß eine klassische Inszenierung ab, was einen Theaterabend von etwa viereinhalb Stunden ergibt. Die Schauspieler fügen sich ausgezeichnet in dieses Konzept ein. Gert Voss spielt den Lear wie große alte Schauspieler den Lear zu spielen pflegen: handwerklich glänzend und mit vollem Einsatz. Ihm zur Seite gibt Birgit Minchmayr einen fulminanten Narren. Auch der Rest des Ensembles agierte, wie man es vom Burgtheater erwarten darf.

Der Learstoff kommt aus der Märchenwelt, was man gegen zu viel Realismus als Einwand vorbringen könnte, denn Luc Bondy geht seine Sache mit blutigem Ernst an. Mit Ausnahme der Sturmszene gibt es wenige ironische Brechungen. Grausamkeiten werden ebenso sorgfältig ausgespielt wie die zahlreichen Todesszenen. So werden die Augen des Graf von Gloster mit so viel Bühnenblut auf der Bühne ausgestochen, dass so mancher Fan von Splattermovies seine Freude daran hätte. Gestorben wird quälend langsam, was an einigen Stellen die Grenze zum Komischen überschreitet. Etwas weniger Pathos hätte die Inszenierung ästhetisch deutlich aufgewertet.

Diese Kritik ändert aber nichts daran, dass es sich insgesamt um eine sehr gelungene Klassikeraufführung handelt.

Shakespeare: Sturm

Sonntag, September 23rd, 2007

Akademietheater 23.9.
Regie: Barbara Frey
Dramaturgie: Joachim Lux
Prospero: Johann Adam Oest
Caliban: Maria Happel
Ariel: Joachim Meyerhoff

Genau genommen handelt es sich bei der Aufführung nicht um “Sturm” von Shakespeare, sondern um eine ebenso kurze wie grandiose Variation rund um dieses Stück. Alle Figuren werden von den oben genannten drei Schauspielern gespielt, soweit Handlungselemente nicht erzählt werden. Das klingt nun sehr seltsam, funktioniert dank der klugen Dramaturgie des Joachim Lux aber ausgezeichnet. Ergebnis ist eine furiose, an vielen Stellen auch sehr komische Szenenfolge. Die schauspielerische Leistung ist brillant, speziell Meyerhoff und Happel sind herausragend. Unbedingt sehenswert, wenn auch kein Ersatz für eine vollständige Inszenierung des “Sturm”.

Complicite: A Disappearing Number

Sonntag, Juni 3rd, 2007

Wiener Festwochen 31.5.
Konzept und Inszenierung: Simon McBurney
Musik: Nitin Sawhney
Mit: David Annen, Firdous Bamji, Paul Bhattacharjee, Hiren Chate, Divya Kasturi, Simon Pandya, Saskia Reeves, Shane Shambhu

Sehr gespannt ging ich in diese Produktion der britischen Theatergruppe Complicite (Leitung: Simon McBurney), sollte doch nichts weniger als Mathematik auf die Bühne gebracht werden. Thema des Abends war das Leben des indischen Mathematikers Srinivasa A. Ramanujan, den viele Kenner der Materie für einen der herausragendsten Köpfe seines Faches halten, und dessen abenteuerliche Biographie durchaus bühnentauglich ist.

Der Abend beginnt denn auch mit einer fiktiven Mathematikvorlesung, die am Ende der Szene allerdings durch einen der Schauspieler witzig als Theater “entlarvt” wird. Dramaturgisch erinnerte das weniger an Brecht als an Monty Pythons “Flying Circus”, wo Humor auch regelmäßig durch einen Schwenk auf die Metaebene hergestellt wird. Diese klassisch britische Ästethik wird aber nicht beibehalten: Die Regie setzt auf ein sehr avanciertes Illusionstheater wobei Mittel der TV- und Filmästhetik oft zum Einsatz kommen (schnelle Schnitte zwischen verschiedenen Erzählebenen, Videoprojektionen, “Filmmusik”). Die dadurch erreichten theatralischen Bildeffekte sind frappant. Die bis an die Grenzen geforderte Bühnentechnik wird mit einer Leichtigkeit und Präzision eingesetzt, von der sich alle Wiener Theater mehrere Scheiben abschneiden könnten.

Nun hat diese Furiosität den Nachteil, dass die Vielzahl der (guten) Einfälle eine so hohe semantische Dichte erzeugen, dass man diese Inszenierung mehrmals sehen müsste, um ihr gerecht zu werden. Es regt sich auch der (leise) Verdacht, dass dieser Aufwand dazu dient, das Publikum angesichts der komplexen behandelten Themen bei Laune zu halten.

Diese Form des Theater bewegt sich weit von der klassischen Ausprägung der Kunstform weg, wo man auf die Bühnenpräsenz einiger Schauspieler und das Wort vertraut. Dies wird aber so überzeugend praktiziert, dass man diese Inszenierung nur als sehr gelungen bezeichnen kann.