Archive for the ‘Zeitgeschehen’ Category

Neues aus dem katholischen Religionswesen

Samstag, März 6th, 2010

Kirche mahnt Blogger ab (!)
Callboys im Vatikan
Regensburger Domspatzen durch Missbrauch traumatisiert
100 Kinder im Kloster Ettal gequält
Missbrauch im katholischen Elitegymnasium

etc. etc. etc.

Kenia / Afrika

Dienstag, Januar 19th, 2010

Jeffrey Gettleman zeichnet in der New York Review of Books No. 1 ein düsteres Bild von der politischen Lage in Kenia und behandelt das Land pars pro toto für den Kontinent:

According to the United Nations, the average Kenyan makes $777 a year. Yet members of Kenya’s parliament are among the highest paid in the world, with a compensation package of $145,565 (most of it tax-free). That is 187 times more than the country’s average income and would be the equivalent of an American congressman making $8.5 million a year. And this is simply what is earned legally.

Kenya is notorious for corruption, from scandals cooked up in the president’s office involving fake companies and hundreds of millions of dollars, to police officers on the street who have a fondness for stopping drivers, inventing new traffic laws, and whispering the magic words kitu kidogo, which in Kiswahili means “a little something.” This is the land of a little something, where no senior officials have ever been punished for graft. Just a few months ago, a drought-induced famine steadily spread toward Kenya from neighboring Ethiopia and Sudan, threatening millions of lives in a lush, bountiful country that should be able to feed itself and more; but at the same time, several top Kenyan politicians were implicated in a scheme to illegally sell off millions of pounds of the country’s emergency grain reserves, at obscene profits.

The front pages of Kenya’s biggest papers alternated between pictures of the well-coiffed politicians incredulously denying the charges and people in the hinterland with their rib cages exposed. None of this is secret. There have been countless studies of corruption, thousands of headlines about it, and intense scrutiny of Kenya from the World Bank and organizations like Transparency International, which recently ranked Kenya the most corrupt nation in East Africa. A survey done a few years ago indicated that the average urban Kenyan pays sixteen bribes a month.
[…]

Leider ist der Artikel nur kostenpflichtig online lesbar.

Balkanology

Sonntag, Januar 10th, 2010

Architekturzentrum 5.1.

Wie sehr sich Österreich in Südosteuropa wirtschaftlich engagiert ist bekannt. Es ist sehr begrüßenswert, dass diese ökonomische Expansion auch durch intellektuelle Neugier begleitet wird. Ein Beispiel dafür ist die Ausstellung Balkanology im Wiener Architekturzentrum. Sie setzt sich mit den urbanen Prozessen auf dem Balkan der jüngsten Vergangenheit auseinander. Dokumentiert durch Fachleute vor Ort werden diverse Thesen über die Stadtentwicklung in einer Krisenregion durchgespielt.

Die Schau ist eine sehr akademische Angelegenheit. Auf Schautafeln, Monitoren und in Filmen wird anhand ausgewählter Städte gezeigt, wie sich einzelne Viertel entwickelten. Begleitet ist das von theoretischen Modellen. Wer Architekturfotografie erwartet, wäre fehl am Platz. Ich fand vor allem spannend, dass es angesichts der vielen Alltagsprobleme nach dem Krieg überhaupt Architekturinitiativen gab (gibt), die diese Prozesse so detailliert beobachteten und analysierten. (Bis 18.1.)

Menschenopfer gestern und heute

Donnerstag, Januar 7th, 2010

Zufällig stieß ich heute auf zwei Geschichten, die einen weiten historischen Bogen zu einem Thema spannen, das unsere Säugetierart nicht von von ihrer besten Seite zeigt. In der aktuellen Ausgabe von National Geographic (January 2010) ist ein lesenswerter Artikel über Ahnenverehrung und die Begräbnissitten in China. Titel Restless Spirits, leider nicht online verfügbar. Darin heißt es über die religiös motivierten Menschenoper zur Shang-Zeit (1600-1045):

An archaeologist once told me that he counted 60 different ways a person could be killed during a Shang ceremony.

Eine beeindruckende Fantasie beim Töten von Menschen! Zum empörten Naserümpfen besteht aber kein Anlass. In Afrika werden aufgrund eines weit verbreiteten Hexenaberglaubens ebenfalls viele Mitmenschen gewaltsam ins Jenseits befördert. Das war heute bei der BBC im Beitrag Witch-doctors reveal extent of child sacrifice in Uganda nachzulesen:

“They capture other people’s children. They bring the heart and the blood directly here to take to the spirits… They bring them in small tins and they place these objects under the tree from which the voices of the spirits are coming,” he said.
Asked how often clients brought blood and body parts, the witch-doctor said they came “on average three times a week - with all that the spirits demand from them.”

So viel an dieser Stelle zur menschlichen Lernkurve.

John Gray

Sonntag, Dezember 27th, 2009

Black Mass. Apocalyptic Religion and the Death of Utopia (Penguin)
(Deutsche Ausgabe)

Als “Professor for European Thought” an der London School of Economics ist John Gray natürlich ein Kenner der Geistesgeschichte. Diese Kenntnisse von der Antike bis zur Gegenwart führt er ins Feld, um die These seines neuen Buches zu belegen: Selbst scheinbar säkulare Theorien und Weltanschauungen seien in Wahrheit tief vom Christentum und speziell von den apokalyptischen Elementen dieser Religion geprägt. Diese Prägung sei schuld an fast allen politischen Katastrophen der Moderne.

Das klingt vergleichsweise krude. Gray schafft es jedoch eine plausible Indizienkette zu erstellen. Sein berechtigter Ausgangspunkt: Das Christentum führt erstmals in der Geistesgeschichte die Idee ein, es gäbe einen zielgesteuerten Fortschritt in der menschlichen Geschichte (Teleologie), ein Gedanke, der den antiken Philosophen fern lag. Diese Idee des Fortschritts führte zur Entstehung des utopischen Denkens in diversen Ausprägungen. Gray zählt auch die Aufklärung dazu. Unter “Utopie” versteht Gray eine Zukunftsvorstellung, welche aufgrund unrealistischer und überzogener Erwartungen an die Natur des Menschen unmöglich in die Praxis umzusetzen ist:

Aristotle and Aquinas held to a teleological view of the world that modern science has rendered obsolete. Each viewed the cosmos as a system in which everything has a purpose. Since Darwin, this view of the natural world has ceased to be available. Nature is ruled by chance and necessity, and natural laws are regularities rather than prescriptions for the good life. If there is a realm of value behind beyond the physical world it cannot be reached by human reason.
(186)

Nimmt man noch die seit der Französischen Revolution in Europa eingeführte “Methode” hinzu, solche Utopien mit Gewalt und Terror erzwingen zu wollen, so hat man das Rezept für die politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts in der Hand. Es erübrigt sich zu schreiben, dass Gray Kommunismus und Nationalsozialismus für politische Religionen hält, was er in zwei Kapiteln begründet. “Modern revolutionary movements are a continuation of religion by other means.” (3)

Ich kann Gray nicht an jedem einzelnen Punkt seiner Argumentation folgen. Seine Kritik der Teleologie reiht ihn jedenfalls selbst in die Reihe der Aufklärer ein. Tatsächlich gibt es keine Belege dafür, dass sich die Menschheit mit einer Art naturgesetzlichen Sicherheit fortschrittlich entwickelt. Lebensbedingungen, Technik etc. entwickeln sich rasant weiter und werden ebenso rasant für Verbrechen in neuen Dimensionen eingesetzt, wie ein Blick auf das letzte Jahrhundert zeigt.

In einigen Kapiteln begibt sich Gray dann in die politische Gegenwart und klopft die amerikanische Außenpolitik der letzten zehn Jahre, die Neokonservativen und -liberalen sowie die Politik des Tony Blair erfolgreich nach diese irrationalen Elementen ab. Am Schluss des Buches beschreibt Gray völlig illusionslos die Natur des Menschen ohne religiösen und metaphysischen Überbau. Das Ergebnis ist wenig erfreulich.

Ein provokantes, aufklärerisches, lesenswertes Buch.

Turkmenistan

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

Meine Reiseerfahrungen in Turkmenistan habe ich hier beschrieben. Im Economist ist jetzt ein längerer Artikel erschienen, der diesen abstoßend abstrusen Staat beschreibt.

Studentenaktion im Burgtheater

Sonntag, November 15th, 2009

14.11.

Lorenzaccio stand gestern auf dem Programm (Theaterkritik folgt), ein Stück über Korruption und die Unfähigkeit der “Elite” im Florenz des 16. Jahrhunderts. Das Publikum wurde in der Pause passenderweise mit der Unfähigkeit der eigenen politischen Eliten konfrontiert, deren Symptom die desaströse und im internationalen Vergleich hochnotpeinliche Bildungs”politik” ist. Schätzungsweise 150 bis 200 Studentinnen und Studenten besetzen im Rahmen der Protestaktion Unsere Uni die Bühne des Burgtheaters um auf Ihre berechtigten Anliegen aufmerksam zu machen. Auch Lehrende waren involviert. Es folgte ein Theater der ganz eigenen Art.

Wie pragmatisch die Protestbewegung angelegt ist, zeigt sich an der Dramaturgie. Zwar waren bereits vor dem Beginn der Vorstellung viele Studierende vor der Burg, aber man wartete doch tatsächlich brav die Pause gegen 21:50 Uhr ab, bevor man zur Tat schritt. Ein Teil zerstreute sich im Zuschauerraum, die meisten versammelten sich auf der Bühne und standen damit aus inszenatorischen Gründen im Dreck (Theatererde). Das Publikum spaltete sich in zwei Teile. Die (meinem Eindruck nach) überwiegende Mehrheit solidarisierte sich mit dem Protest. Es gab Applaus und “Bravo”-Rufe. Eine laut plärrende Minderheit gab sich empört mit “Buuh”-, “Raus hier”-, “Es reicht”-Rufen und ließen damit durchblicken, dass sie nicht verstanden hatten, was sie vor der Pause gesehen hatten. Sie schrieen im Burgtheater ihre eigenen Enkel und Kinder nieder, die für mehr Bildung protestieren, und schienen das Groteske der Situation nicht einmal zu erkennen. Es mag daran gelegen haben, dass die Abonnenten des “Nach der Premiere” - Zyklus im Zuschauerraum saßen, von denen viele wohl mehr aus repräsentativen denn als kulturellen Gründen die Burg heimsuchen.

Anekdotisch möge dies das Ehepaar hinter mir illustrieren, die mir bisher noch nie mit Aktionismus aufgefallen waren. Beide waren bei den aufgebrachten Zwischenrufern. Die Dame schrie wenig damenhaft abwechselnd “Es reicht”, “Es waren nur ein paar Minuten ausgemacht” und “Leere Schlagwörter”. Auf den naheliegenden Gedanken kam sie nicht, dass sich Ihre Forderung nach einer 3-Minuten-Aktion mit der einer komplexen Erörterung der Materie widersprechen könnte…

Die Studierenden hatten ein großes Transparent mit einem Brechtzitat auf die Bühne gebracht: “Schwierigkeiten werden nicht dadurch überwunden, dass sie verschwiegen werden”. Der Vortrag der Forderungen hätte aber etwas origineller inszeniert sein können. Die Bühne des Burgtheaters verlangt nach anderen Kommunikationsformen als eine blockierte Straßenkreuzung.

Nach einer guten halben Stunde war alles vorbei. Martin Schwab nutzte die Bankett-Szene nach der Pause geschickt für eine kurze Solidaritätserklärung mit den Studenten.

Ich berichtete als erster mit Live-Tweets von der Aktion, die schnell die Runde machten (70 Retweets in in 2h). War eine interessante Erfahrung, einmal aktuelle Informationen zu liefern, die sehr stark nachgefragt waren.

Weitere Informationen:

Meine Fotos von der Aktion
Video von der Aktion
Bericht in der Spät-ZIB des ORF (am Ende)

Kommentare?

Studentenproteste in Wien

Sonntag, November 1st, 2009

Erstaunliches spielt sich ab im konsensverliebten Österreich. Der akademische Nachwuchs rebelliert mit Besetzungen gegen die beschämende Situation an den hiesigen Universitäten. Das Profil versucht sich an einem wohlwollenden Portrait der Protestierer.

Gute Nachrichten aus dem Vatikan!

Mittwoch, Oktober 28th, 2009

Europa wird zunehmend liberaler. Umfangreiche Reformen in Spanien unter der neuen progressiven Regierung, wurde gegen den heftigen Widerstand der Kirche beschlossen. Die EU-Verfassung findet sich ohne göttliche Hilfe hervorragend zurecht und ein engstirniger katholischer Italiener führt zu einem Veto des EU Parlaments gegen die Kommission.

Der Vatikan sieht seinen Einfluss schwinden, und reagiert mit panischen Stellungnahmen. So wurde von wörtlich von einer antikatholischen Inquisition gesprochen. Eine ausführliche Zusammenfassung der Ereignisse findet sich ebenfalls bei der BBC unter dem Titel Vatican battles for EU influence.

Afrikanische Kirchen foltern Kinder

Sonntag, Oktober 18th, 2009

Unter dem Vorwand “Hexen” zu sein, werden regelmäßig afrikanische Kinder misshandelt. Ein Beispiel ist hier nachzulesen. Bevor man aber vorschnell die Nase über “Afrika” rümpft, lese man den irischen Bericht über die systematische sexuelle Ausbeutung von Jungen über Jahrzehnte (in Wahrheit: Jahrhunderte) in den katholischen Kinder”heimen” dort. Wer noch nicht aus der Kirche ausgetreten ist, finanziert das alles mit. Ob das der sicherste Weg ist, mit guten Taten in den Katholikenhimmel zu kommen?

Richard Kapuscinski

Mittwoch, September 23rd, 2009

Afrikanisches Fieber. Erfahrungen aus vierzig Jahren. (Serie Piper)

Die Kategorisierung “Sachbuch” und “Gegenwartsliteratur” zeigt schon, dass es sich um ein ungewöhnliches Buch handelt. Kapuscinski braucht man nicht mehr vorzustellen, seine Arbeit als polnischer Korrespondent in Afrika ist inzwischen legendär. Seit 1958 war er mehr als vierzig Jahre auf dem Kontinent unterwegs, entwickelte sich zu einem exzellenten Kenner, begleitete oft “live” als viele Staaten ihre Unabhängigkeit erlangten.

Es ist jedoch nicht nur diese Kennerschaft, welche den Ruf Kapuscinskis begründete, sondern seine literarische Begabung. Afrikanisches Fieber zeigt diese Erzählkunst, ein Verdienst, an dem Martin Pollack als Übersetzer natürlich nicht unbeteiligt ist. In 29 kurzen Kapiteln wird uns Lesern Afrika von allen Seiten näher gebracht. Im Mittelpunkt steht die Begegnung mit Menschen (von Slumbewohnern bis zu Regierungschefs), aus denen kulturelle, mentale und politische Informationen extrapoliert werden. Kapuscinski referiert nicht, er zeigt uns den Kontinent.

Eine bessere, spannendere und informativere Hinführung läßt sich nicht denken. Der ideale Gegenpol zur verkürzten medialen Berichterstattung in den reichen Ländern. Die Geschichte Ruandas bis zum Völkermord etwa ist ein verstörend fulminanter Text. Wenn Weltliteratur sich neben ästhetischer Brillanz vor allem dadurch auszeichnet, das grundsätzliche Aspekte des Menschseins hinterfragt werden, darf man Afrikanisches Fieber jederzeit in diese prestigeträchtige Schublade legen.

Italiens Kulturerbe verfällt

Sonntag, August 23rd, 2009

Die italienische Kulturverwaltung hat viel zu wenig Budget, um die vielen Kunstdenkmäler des Landes fachgerecht zu erhalten. Die Regierung Berlusconi hat natürlich nichts Besseres zu tun, als diese lächerlichen Budgets noch einmal zusammenzukürzen. Das gesparte Geld steckt der Ministerpräsident dann vermutlich in die Dienstleistungen weiterer Prostituierter in seiner Villa …

Die NZZ fasst die desaströse Lage in dem Artikel Pompeji geht zum zweiten Mal unter zusammen. Auszüge:

Gemäss italienischen Zeitungsberichten konnten Professoren in diesem Frühjahr einen Hausmeister stoppen, der dabei war, ein Kunstwerk in Einzelteile zu zersägen. Mit dem Verkauf von einem neoklassizistischen Kopf, Händen und Füssen aus Gips wollte er sein mageres Salär aufbessern. Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall. Im ganzen Land verwahrlosen einzigartige Schätze, und täglich wird Kunst geraubt, weil kein Geld für geschultes Wachpersonal vorhanden ist.

[…]

Mit 1,5 Milliarden Euro gibt sie in diesem Jahr nur 0,22 Prozent des Gesamthaushalts für den Kulturbetrieb des Landes aus. Frankreich investiert für weit weniger Kulturschätze doppelt so viel Geld. Nun will Berlusconi bei den Kulturausgaben noch mehr knausern als bisher. 1 Milliarde Euro muss Kulturminister Sandro Bondi bis 2011 einsparen.

[…]

Die antike Stadt am Fuss des Vesuvs, die im Jahr 79 bei einem Vulkanausbruch verschüttet wurde, droht nämlich ein zweites Mal unterzugehen: Touristenansturm, Umweltverschmutzung, mangelnde Aufsicht und Schlamperei setzen dem Weltkulturerbe schwer zu. Die Kanalisation funktioniert nicht, daher stehen bei Regen Villen und Gassen in Pompeji unter Wasser. Auch Besucher sind nicht immer achtsam. Viele können es einfach nicht lassen, Mosaiksteinchen zu stibitzen oder an verblassten Wandmalereien zu kratzen. Bei einem Spaziergang über das 44 Hektaren grosse Gelände kann einem die Lust auf Antike allerdings auch gründlich vergehen. Aufsichtspersonal grunzt unfreundlich im neapolitanischen Dialekt. Nur ab und an sind Informationschilder mehrsprachig verfasst. «Vietato!», Eintritt verboten, steht an vielen sehenswerten Bauten. Geschlossen sind sie wegen Einsturzgefahr.

“On the Arab World”

Sonntag, Juli 26th, 2009

So heißt der neue Special Report des Economist, der wie immer sehr lesenswert ist, und in einer Artikel-Reihe über den aktuellen Zustand der arabischen Länder Auskunft gibt. Online ist er bis Donnerstag Abend hier zu finden.

WHAT ails the Arabs? The United Nations Development Programme (UNDP) this week published the fifth in a series of hard-hitting reports on the state of the Arab world. It makes depressing reading. The Arabs are a dynamic and inventive people whose long and proud history includes fabulous contributions to art, culture, science and, of course, religion. The score of modern Arab states, on the other hand, have been impressive mainly for their consistent record of failure.

They have, for a start, failed to make their people free: six Arab countries have an outright ban on political parties and the rest restrict them slyly. They have failed to make their people rich: despite their oil, the UN reports that about two out of five people in the Arab world live on $2 or less a day. They have failed to keep their people safe: the report argues that overpowerful internal security forces often turn the Arab state into a menace to its own people. And they are about to fail their young people. The UNDP reckons the Arab world must create 50m new jobs by 2020 to accommodate a growing, youthful workforce—virtually impossible on present trends.

So beginnt der Leitartikel zum Thema.

Google versus Facebook

Sonntag, Juni 28th, 2009

Ein aktueller Wired-Artikel berichtet ausführlich über die strategische Schlacht hinter den Kulissen:

Today, the Google-Facebook rivalry isn’t just going strong, it has evolved into a full-blown battle over the future of the Internet—its structure, design, and utility. For the last decade or so, the Web has been defined by Google’s algorithms—rigorous and efficient equations that parse practically every byte of online activity to build a dispassionate atlas of the online world. Facebook CEO Mark Zuckerberg envisions a more personalized, humanized Web, where our network of friends, colleagues, peers, and family is our primary source of information, just as it is offline. In Zuckerberg’s vision, users will query this “social graph” to find a doctor, the best camera, or someone to hire—rather than tapping the cold mathematics of a Google search. It is a complete rethinking of how we navigate the online world, one that places Facebook right at the center. In other words, right where Google is now.

“Iran Raises Up”

Freitag, Juni 19th, 2009

Wie immer sehr kompetent berichtet der neue Economist über die jüngsten Ereignisse im Iran. Es gibt ein ausführliches Briefing, einen Leitartikel sowie einen Blick auf die Rolle von Twitter in der Berichterstattung aus dem Iran.

Reise-Notizen: Grenzerfahrungen in Zentralasien

Donnerstag, Mai 7th, 2009

Die Grenzübertritte in Zentralasien sind ebenso mühselig wie eindrucksvoll. Perpetuierte bürokratische Amokläufe, welche dem Liebhaber dieser Dinge unvergessliche Erlebnisse bescheren. Wir fahren auf einem besseren Feldweg durch Niemandsland auf die turkmenische Grenze zu. Es gilt den Bus zu verlassen und mit dem Gepäck durch ein Tor zu schreiten, nachdem ein turkmenischer Grenzbeamter einen ersten Blick auf den Pass geworfen hat. Wir gehen weiter zu einer schäbigen Grenzstation, in der eine mehrköpfige Kommission, angeordnet nach der Anzahl der Sterne auf den Schulterklappen, jeweils die Vielzahl an inzwischen angesammelten Reisedokumenten sichtet. Irgendwann bekommt man den ersehnten Ausreisestempel in den Pass.
Am anderen Ende wartet die Fortsetzung des Feldwegs. Ein pensionsreifer VW-Bus bringt alle im Pendelverkehr zur usbekischen Grenzstation, die in einem überdimensionierten Baustellencontainer angesiedelt ist. Naturgemäß sind auch hier diverse Formulare vorzubereiten, so will der usbekische Staat genau wissen, wie viele Devisen man ein- und ausführt. Angesichts der eigenen, international unbrauchbaren Währung vermutlich eine Notwendigkeit. Wer 20 Euro wechselt bekommt 38 Geldscheine der größten verfügbaren Sorte, weshalb man einen nennenswerten Teil seiner Usbekistan-Tour mit Geldzählen verbringt. Die Gesamtprozedur an der Grenze dauert an die zwei Stunden. Sechsmal hatte ich in Zentralasien dieses Vergnügen.

Gesichter der Wirtschafts-Krise

Sonntag, April 26th, 2009

Papst rehabilitiert Holocaust-Leugner

Sonntag, Januar 25th, 2009

Dafür sei ihm recht herzlich Hagen Rethers treffendes Portrait gewidmet.

Israel, Ende Februar - Ein Kulturbrief [2006]

Freitag, Januar 23rd, 2009

Pünktlich landet der Flug OS 0857 in Tel Aviv, und die Stewardess spult mit üblicher Routine ihre Hinweise über die möglichen unerwünschten Auswirkungen der Schwerkraft auf das Handgepäck ab. Abweichend vom Standardtext wünscht sie den Passagieren schließlich keine “pleasant”, sondern “a safe journey”. Willkommen im Nahen Osten.

Die Palästinenser entschlossen sich vor wenigen Wochen, ihre politische Zukunft den Islamisten der Hamas anzuvertrauen. Der Karikaturenstreit überschritt den ersten Höhepunkt und man wurde des Flaggenverbrennens langsam überdrüssig. Die mediale Mobilmachung von CNN & Co. noch im Bewusstsein, will ich dieser Inszenierung eigene Erfahrungen entgegen setzen.

Ist man als Europäer tatsächlich das neue Feindbild in der arabischen Welt? Abgesehen vom Gazastreifen und der Westbank, bietet Ost-Jerusalem wohl die beste Gelegenheit, mit Arabern ins Gespräch zu kommen. Mein Hotel “The Olive Tree” liegt im besetzten Osten der Stadt, unweit des arabischen Teils der Altstadt. Die Warnungen der deutschen Obrigkeit in den Wind schlagend, welche große Vorsicht beim Besuch der historischen Viertel dringend ans Herz legte, spaziere ich durch das Damaskustor in das Gassenlabyrinth. Schon bald nähert sich mir eine Gruppe arabischer Jugendlicher. Mich skeptisch musternd kamen sie langsam näher, um mir dann lachend ein “Welcome in Jerusalem” zuzurufen. Animositäten gegen Europäer kann ich trotz ausgiebiger Fußmärsche nicht beobachten. Die Stimmung auf arabischer Seite ist gedrückt, was angesichts der Omnipräsenz des israelischen Militärs wenig überrascht. Größere Gruppen junger Wehrpflichtiger mit ihren Sturmgewehren auf dem Rücken patrouillieren durch die engen Gassen. Die Schaufenster, die ab und zu mit großen Portraits Arafats geschmückt sind, scheinen sie nicht zu stören.

Die Allgegenwärtigkeit von Waffen ist für in Mitteleuropa sozialisierte Menschen verblüffend. Junge Rekruten sind stets in voller Bewaffnung auf der Straße unterwegs. Selbst am Frühstücksbuffet des Ramon Inn, seines Zeichens das einzige Hotel in der verschlafenen Wüstenstadt Mizpe Ramon, holen sich zwei junge Männer mit umgehängtem Gewehr ihr Gebäck. Schulklassen müssen laut Gesetz von mindestens zwei bewaffneten Erwachsenen begleitet werden, so dass es schon Sechsjährigen nicht verborgen bleiben kann, dass sie ihres Lebens nicht sicher sind. Israel erweckt von den Golanhöhen im Norden bis zum vierhundert Kilometer entfernten Eilat am Roten Meer den Eindruck großer Wehrhaftigkeit. Allzeit zu allem bereit scheint das Motto vor allem der Jugend zu sein. In Yad Vashem weist mich ein Angestellter darauf hin, dass es viele Jugendliche nur schwer akzeptieren könnten, dass die europäischen Juden dem Völkermord nicht mehr Widerstand leisteten. In Zukunft nie mehr wehrlos sein zu wollen, ist offenkundig wichtiger Teil der Mentalität der jungen Israeli.

Die ständigen Sicherheitskontrollen verschärfen diesen Eindruck zusätzlich. Selbst beim Besuch eines Dorfgasthauses in En Kerem muss man seine Taschen entleeren und erträgt geduldig das Piepsen des Metalldetektors.

Es lasse sich kaum Geld verdienen, erklärte mir ein junger Jerusalemer Taxifahrer, um anschließend ausgiebig über die schlechte allgemeine wirtschaftliche Lage zu klagen. Ein fliegender Souvenirverkäufer, der trotz der wenigen Touristen in Jerusalem sein Glück versucht, erzählt mir, er komme eigentlich aus Bethlehem, wo angesichts der angespannten Lage nun die Touristen schon wieder ausblieben, und er nicht wisse, wie er seine Familie ernähren soll. In der zweiten Jahreshälfte 2005 kam der Tourismus langsam wieder in Schwung. Es wird sich weisen, ob das nur eine kurze Unterbrechung der jahrelangen Flaute war.

Während der klassische Tourist seit der zweiten Intifada Israel als Reiseziel mied, galt dies nur eingeschränkt für Pilger. Wer mit göttlichem Beistand reist, sieht offenbar potenzielle Gefährdungen weniger dramatisch. Überhaupt dürfte es weltweit kein Land geben, in dem sich eine so große Vielfalt an Religionen samt ihren Anhängern beobachten lässt. Allein in Jerusalem sind die Varianten des Christentums kaum zu zählen. Wer im komplexen Geflecht der feinen theologischen Unterschiede den Überblick verliert, kann sich vertrauensvoll an das “Christian Information Center” beim Jaffator wenden. Die Eifersüchteleien der einzelnen Konfessionen über die Heiligen Stätten sind legendär und wurden mit der religiösen Streitereien eigenen Verbissenheit geführt. 1757 versorgten griechische Mönche beispielsweise ihre Anhänger mit Waffen und metaphysischer Munition, worauf diese in der Nacht vor Palmsonntag nicht nur Vandalenakte in der Basilika des Heiligen Grabes verübten, sondern im Anschluss daran auch noch das Kloster der Minoriten stürmten, um die Mönche zu massakrieren. 1873 und 1901 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen griechisch-orthodoxen und katholischen Mönchen. Wer sich für diese und andere Akte der Nächstenliebe interessiert, dem sei Bernard Wassersteins Monographie “Jerusalem. Der Kampf um die heilige Stadt” (München 2002) empfohlen. Der Schlüssel der Grabeskirche wird deshalb sinnigerweise seit vielen Generationen von einer moslemischen Familie verwahrt. Raufereien zwischen kirchlichen Würdenträgern konnte ich nicht beobachten. Sogar die beiden Malteser Ritter mit ihren pittoresken weißen Umhängen hatten ihre Schwerter zu Hause gelassen. Aber trotz der ungeheuren Zahl an Kirchen in der Jerusalemer Altstadt stellt man unschwer fest, dass die konfessionellen Einflusssphären streng abgegrenzt sind. Am augenscheinlichsten schlägt sich das in den verschiedenen Räumen der Grabeskirche nieder. Durch die vielen Anbauten entstand ein architektonischer Moloch, der zwar hintersinnige religionsphilosophische Analogien nahe legt, aber Freunde der Baukunst nur den Kopf schütteln lässt.

Die christlichen Stätten im Norden sind weniger beeindruckend. Rund um den See Genezareth gibt es in Kafarnaum (Kefar Nahum) eine sehenswerte Ausgrabungsstätte. Es handelt sich um ein Fischerdorf aus der Zeit des Neuen Testaments. Die Strukturen der Wohnhäuser sind gut erkennbar. Daneben das (angebliche) Haus des Petrus, der bekanntlich sofort die Gelegenheit ergriff, seinen mühseligen Fischerberuf samt Familie zu verlassen, und sich auf den bequemeren Beruf des Apostels verlegte.

Unweit davon, auf dem Hügel Schech’ Ali (Berg der Seligpreisungen), dem legendären Ort der Bergpredigt, befindet sich die in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts von Antonio Baluzzi errichtete elegante Kirche. Innen singt, nein schreit eine vermutlich südkoreanische Pilgergruppe, offenbar in der Annahme, im Himmel gäbe es keine Hörgeräte. An vielen dieser christlichen Stätten sind nur moderne Gebäude mit bescheidenen ästhetischen Qualitäten zu finden. Deshalb ist es oft lohnender, anstatt der Bauwerke die Pilger zu beobachten.

An Nazareth lässt sich schön eines der Prinzipien der historischen Jesusforschung demonstrieren. Es besagt, dass Überlieferungen, für deren Erfindung es keinen guten Grund gibt, mit höherer Wahrscheinlichkeit authentisch sind, als andere. Nazareth war zu Zeiten Jesus’ ein unbedeutendes Dorf, das im Alten Testament nicht erwähnt wird. Es gab also keinen ideologisch plausiblen Grund, Jesus ausgerechnet in diesem Kaff aufwachsen zu lassen.

Synagogen gibt es in Jerusalem ebenfalls in großer Anzahl. Nach der Besichtigung unzähliger Kirchen benötigt man etwas Zeit, um sich vom Entblößen des Kopfes als Respektbekundung auf das Bedecken desselben zum selben frommen Zweck umzustellen. Wer sich mit der Geschichte des Synagogenbaus beschäftigen will, sollte unbedingt das Israel Museum besuchen, in dem man drei historische Innenräume mit Originalteilen rekonstruiert hat. (indisch, italienisch und bayerisch).

An der Klagemauer herrscht Hochbetrieb. Neben den zahlreichen Betenden findet dort eine Bar Mizwa statt. Als junger Katholik erhält man als Zeichen der Vollmitgliedschaft von seinem Bischof eine symbolische Ohrfeige, auf das kein Zweifel über die Autoritätsverhältnisse bestehe. Eine Bar Mizwa dagegen läuft als fröhliches Fest ab. Die Stimmung ist heiter und ausgelassen. Der Junge wird lachend von Verwandten auf den Schultern getragen. Andere lassen Süßigkeiten auf die Feiernden herabregnen.

Nun sind, schon aus Gründen der religiösen Ausgewogenheit, noch ein paar Worte über den Islam angebracht. Während es Juden von ihrem Rabbinat streng verboten ist, den Tempelberg zu besteigen, darf man als Reisender am Morgen dieses berühmte Wahrzeichen der Stadt kurz betreten. Jerusalem gilt im Islam (nach Mekka und Medina) als die drittheiligste Stadt und ist damit selbstverständlich auch das religiöse Zentrum der Muslime in Israel. Leider kann man die Al Aqsa Moschee seit Ausbruch der zweiten Intifada nicht mehr besichtigen.

Steht man auf dem Tempelberg mit der Klagemauer unter sich und den zahlreichen Kirchen in der Altstadt vor sich, denkt man zwangsläufig über die Zukunft dieser außergewöhnlichen Stadt nach. Der Blick fällt auf die schwer bewaffneten Soldaten und die Gedanken kreisen um den gordischen Knoten des religiösen und politischen Hasses. Skeptisch steige ich hinab in die turbulente Altstadt und versuche, die Erkenntnis beiseite zu schieben, dass die Jerusalemfrage noch sehr lange die Weltöffentlichkeit beschäftigen wird.

[Literatur und Kritik Mai 2006; © Christian Köllerer]

“The Library in the New Age”

Sonntag, Juni 1st, 2008

So nennt Robert Darnton seinen neuen Essay, der in der aktuellen Ausgabe der New York Review of Books nachzulesen ist.